Dienstag, 3. April 2018

Empfehlung zu "Guapa" von Saleem Haddad

Autor: Haddad, Saleem

Titel: Guapa

Verlag: Albino

Seiten: 392 Seiten



Worum es geht:

Rasa's Tag hätte nicht schlimmer sein können. Letzte Nacht hat ihn seine Grossmutter mit seinem Geliebten im Bett erwischt, und Schwulsein ist in seinem Land Eib. Taymour meldet sich seit dem auch nicht mehr und sein bester Freund Maj, eine bekannte Dragqueen, ist letzte Nacht ebenfalls spurlos verschwunden. Als Übersetzer ist Rasa mittendrin, mit den Journalisten in der Revolution um sein Land, was mittlerweile eher als Krise angesehen wird statt als Revolution. In dem nie namentlich genannten arabischen Land herrscht Ausnahmestimmung, und Rasa mittendrin kämpft um sein Leben und seine Liebe und seinen Platz in der Gesellschaft. 

Meine Meinung:

Follower meines Instagram wissen, dass ich im Februar in London war und mir Guapa von einem Mitarbeiten im Waterstones empfohlen worden ist. 
Ganz im Stil von "Ein wenig Leben" und "Was zu dir gehört" soll man hier anscheinend ordentlich ins Leiden kommen. Aufbau erinnert stark an "Exit West" von Moshin, und das meine ich als Kompliment. Saleem Haddads Debüt, bereits 2016 beim Albino Verlag auf deutsch erschienen, nimmt den Leser mit auf ein Abenteuer im Orient. 24 Stunden in Rasa's Leben, die alles andere als rosig sind. Während Rasa versucht den Tag zu überstehen, kriegt der Leser Einblicke in sein Leben. Seine Kindheit mit einer depressiven Mutter, einem krebskranken Vater, einer übermutternden Grossmutter aus dessen Fängen er sich nicht zu entwinden wusste, und dessen Groll er nun zu erwarten hat. Sein Leben lang hat sie ihm Eib nähergebracht, die Scham für allmögliches, die Sünde, die Schande. Und mit ihr lebt er Tag ein, Tag aus. Nur seine gestohlenen Stunden mit Taymour helfen ihm alles zu vergessen. 

In Rückblenden erweckt Haddad Rasas Studienzeit in den U.S.A zum leben, und wie er zu sich selbst gefunden hat. Ein amerikanisierter Araber, nirgends wirklich zu hause. Kaum in Amerika eingefunden, gehts auch schon wieder zurück. Verändert wie er ist, fällt das anpassen schwer. 
Zum Glück gibt es Guapa, die Bar, der eine Ort an dem sich homosexuelle treffen können. Der eine Ort an dem er Taymour kennenlernte. 
Ein Bildnis der Eingefahrenheit der Menschen, in ihrem Stolz und ihren Traditionen, unfähig sich zu befreien. 
Jede der Figuren scheint im Ausland studiert zu haben, und alle kamen, um den Erwartungen der Eltern zu entsprechen, zurück. 
Wie die Eltern sind sie festgefahren. Rasa fragt 2 verheiratete Frauen ob sie glücklich seien, ob sie den Mann lieben. Beide Frauen antworten ausweichend "Soweit es mir möglich ist" oder zaghaft mit Zweifel "aber sag es keinem". Der Einblick in die Kultur wird dank des amerikanisierten Arabers einfach gemacht.
Und während Rasa versucht seiner Grossmutter zu entfliehen, verbleibt der Leser mit dem schalen Wissen, dass sich nichts für ihn ändern wird. Was nicht heisst, dass er nicht weiterhin revoltieren wird. Bis zum Ende. 
Eine harte Lektüre, die jede Seite wert ist und Augen öffnen kann. 

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