Mittwoch, 22. November 2017

Die Kieferninsel von Marion Poschmann



Autor: Poschmann, Marion

Titel: Die Kieferninsel

Verlag: www.suhrkamp.de

Seiten: 168 Seiten


Worum es geht: 

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Bashō in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide. - Suhrkamp Verlag

Meine Meinung:

Ich habe Netgalley.de einen Tag vor meiner Abreise nach Japan durchstöbert, auf der Suche nach einem Titel, der mich auf dem 12 Stundenflug unterhalten könnte. Deutscher Buchpreis klang gut, wollte ich schon bisschen Substanz in meiner Urlaubslektüre, und dank diversen Social Media Kanälen ist selbst zu mir durchgesickert, dass sich die Kieferninsel mit Japan beschäftigt. Perfect Match?
Aokigahara @toby de silva
Im Flugzeug fiel mir dann auf wie Dünn der Titel ist und tatsächlich, ich sollte es in einer Stunde gelesen haben. Gilbert reist überstürzt weg, nach einem Alptraum, der mehr nach einer Ausrede klang, als ernst genommen werden konnte. Er nimmt den ersten interkontinentalen Flug, ihm egal wohin. Auch so eine Aussage die, trotz seines Versicherns, dass er nichts über Japan weiß, unglaubwürdig ist wenn man sich von Gilbert durch Japan und Basho's Weg führen lässt. Für einen Liebhaber des Landes und Literatur wusste er definitiv mehr als ich. Poschmann schreibt Lyrik, und auch die Kieferninsel kommt poetisch daher. In Haikus fassen Gilbert, und sein Reisekumpane Yosa, ihre Eindrücke der Suizidorte fest, die sie besuchen auf der Suche nach dem perfekten Ort für Yosa zum Sterben. Gilberts Enttäuschung als er ein Bildnis Basho's sieht lässt ahnen, dass er sich selbst als Neuzeutiges Äquivalent gesehen hat, und das Zugeständnis, dass es sich nur um einen alten Mann handelt, die Wahrheit akzeptieren, ist schmerzhaft geschildert.
Yosa kommt als kleiner Comicrelief daher, der sich immer mehr verstrickt in Gilberts Leben. Er erklärt Gilbert Gebräuche und Mythen, lässt sich von ihm mitziehen und bemuttern. Obwohl zu beginn erklärt wird dass Gilbert weder Interesse am Land, noch Ahnung von diesem hat, wird dem Leser recht viel erklärt. Es geht kaum um Gilberts Gefühle oder seine Handlung, vielmehr erhalten wir eine Japaneinführung. Wie nötig die ist, kann jeder selbst entscheiden. Mir persönlich wäre es fast lieber gewesen, Japan wäre nicht so gewichtig in der Geschichte. Im Endeffekt spielt es kaum eine Rolle in welchem Land Gilbert sich befindet. Yosa's Rolle wurde mir recht schnell klar, die Auflösung der Geschichte, war daher nicht überraschend für mich. Ich glaube allerdings auch nicht, dass die Autorin eine große Überraschung draus machen wollte.

Matsushima @http://www.japan365days.com


Ein poetischer Blick ins Innenleben eines Mannes der eine Midlifecrisis durchläuft. Auf der einen Seite denke ich, dass nur Japanophile Spaß dran haben werden, auf der anderen glaube ich, dass nur Leser, die nicht mit dem Grund "Japan" hier Spass haben werden. Zwiespalt wie selten bevor. Dank der Lobeshymnen überall, bin ich mir aber sicher, dass das Buch seine Leser finden wird.

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