Dienstag, 28. November 2017

Der kleine Laden der einsamen Herzen von Annie Darling

@randomhouse.de

Titel: Der kleine Laden der einsamen Herzen

Autor: Darling, Annie

Verlag: Penguin / Randomhouse.de

Seiten: 400 Seiten 

Preis: 10.00.-

Worum es geht: 

Posy Morland hatte es immer schwer im Leben. Als sie einen kleinen, heruntergekommenen Buchladen in Bloomsbury erbt, scheint sich ihr Glück endlich zu wenden. Sie plant, den Laden neu zu eröffnen und dort nur Liebesromane mit Happy Ends zu verkaufen. Denn traurige Geschichten gibt es im wahren Leben ja genug. Doch Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, hat andere Pläne für den Laden und legt Posy Steine in den Weg, wo er nur kann. Dummerweise ist Sebastian auch schrecklich attraktiv – und der unverschämteste Kerl in ganz London. Findet zumindest Posy. Und rächt sich auf ihre Weise: Sie schreibt selbst einen Roman namens Der Wüstling, der mein Herz stahl – mit Sebastian als Held zum Verlieben ... - Pinguin Verlag

Meine Meinung: 

"Chaotisch und unperfekt, wie das Leben selbst" sagt ein Zitat der Mayerischen Buchhandlung aus Gummersbach im Buchumschlag.

Chaotisch und unperfekt. Stimmt. Außerdem recht naiv. Für jedes Buch gibt es seine Zeit. Ein Buch kann noch so gut sein, wenn die Stimmung nicht stimmt, komme ich nicht durch. Andersrum habe ich oft viel Spas mit Büchern, bei denen ich weiß, dass sie eigentlich nicht gut sind.




The Ripped Bodice- americas all romance bookstore
Der kleine Laden der einsamen Herzen ist kein gutes Buch. Es will aber natürlich auch gar nicht zu hoher Literatur ernannt werden, sondern geniest sich selbst als Groschenroman. Furchtbar repetitive zudem. Posy sieht sich selbst als schlagfertig und gewitzt, bringt es dann aber ganze 8 oder 100 mal auf "Unverschämt" als Antwort auf Sebastians Beleidigungen. Obwohl Posy und Autorin Fans des Romance Genres sind, steht Sebastian das volle Buch über wie eine nichtssagende Litfasssäule da, die nur gut aussieht und paar blöde Sprüche raushaut. Des weiteren ignoriert er einfach mal komplett alles was Posy von sich gibt. Wie sich da eine Liebeshandlung aufbauen sollte, war mir bis zum Schluss ein Rätsel. Die Auflösung half da auch nicht, sondern fand ich fast schon richtiggehend unverschämt. Posy selbst ist auch keine Hilfe, da sie mir meistens wie eine 14 Jährige auf Periode vorkam.  


The Ripped Bodice
Trotz allem Genörgel an der Handlung und den Figuren, habe ich mich unterhalten gefühlt. Nie hatte ich eine Leseflaute bei der Geschichte. Das Buch im Buch hab ich nicht gebraucht, kann man aber auch Bedenkenlos überspringen. Annie Darlings großes Plus in diesem Buch lag in der Thematik des Buchhandels. Da ich selbst Buchhändlerin bin, hat es Spass gemacht, darüber zu lesen. Auch ich habe bereits 2 Buchhandlungen mit eröffnet und konnte den Stress gut nachvollziehen. Hier allerdings auch ein großes ABER LEIDER: Aber leider sieht die Autorin die Arbeit auch wieder seeeeehr Naiv. Tägliches Kuchen essen und Teetrinken? "Holen wir uns mal eben eine Weinflasche von dem Kassengeld?"-"Ich geh mal eben shoppen, ist ja nichts los." Na, ich glaub eher nicht... Auf gar keinen Fall sollte man sich diese Buchhändlerbande hier als Vorbild nehmen, wenn man mit dem Gedanken spielt Buchhändler werden zu wollen.

>Im Mondlicht unter ihrem Fenster, wie es Shakespeare einst in Worte fasste<, sagte sebastian und trat einen Schritt auf Posy zu, deren Augen sich vor Schreck weiteten. >Sie sehen reizend aus, verehrte Miss Morland. So anbetungswürdig derangiert.< 

Obwohl es ein Buch über Liebe ist, und über das Finden solcher, fand ich die Geschichte recht lieblos und vor allem an der Romantik hat es sehr gefehlt.

Mittwoch, 22. November 2017

Die Kieferninsel von Marion Poschmann



Autor: Poschmann, Marion

Titel: Die Kieferninsel

Verlag: www.suhrkamp.de

Seiten: 168 Seiten

Preis: 20.00 Euro

Worum es geht: 

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Bashō in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide. - Suhrkamp Verlag

Meine Meinung:

Ich habe Netgalley.de einen Tag vor meiner Abreise nach Japan durchstöbert, auf der Suche nach einem Titel, der mich auf dem 12 Stundenflug unterhalten könnte. Deutscher Buchpreis klang gut, wollte ich schon bisschen Substanz in meiner Urlaubslektüre, und dank diversen Social Media Kanälen ist selbst zu mir durchgesickert, dass sich die Kieferninsel mit Japan beschäftigt. Perfect Match?
Aokigahara @toby de silva
Im Flugzeug fiel mir dann auf wie Dünn der Titel ist und tatsächlich, ich sollte es in einer Stunde gelesen haben. Gilbert reist überstürzt weg, nach einem Alptraum, der mehr nach einer Ausrede klang, als ernst genommen werden konnte. Er nimmt den ersten interkontinentalen Flug, ihm egal wohin. Auch so eine Aussage die, trotz seines Versicherns, dass er nichts über Japan weiß, unglaubwürdig ist wenn man sich von Gilbert durch Japan und Basho's Weg führen lässt. Für einen Liebhaber des Landes und Literatur wusste er definitiv mehr als ich. Poschmann schreibt Lyrik, und auch die Kieferninsel kommt poetisch daher. In Haikus fassen Gilbert, und sein Reisekumpane Yosa, ihre Eindrücke der Suizidorte fest, die sie besuchen auf der Suche nach dem perfekten Ort für Yosa zum Sterben. Gilberts Enttäuschung als er ein Bildnis Basho's sieht lässt ahnen, dass er sich selbst als Neuzeutiges Äquivalent gesehen hat, und das Zugeständnis, dass es sich nur um einen alten Mann handelt, die Wahrheit akzeptieren, ist schmerzhaft geschildert.
Yosa kommt als kleiner Comicrelief daher, der sich immer mehr verstrickt in Gilberts Leben. Er erklärt Gilbert Gebräuche und Mythen, lässt sich von ihm mitziehen und bemuttern. Obwohl zu beginn erklärt wird dass Gilbert weder Interesse am Land, noch Ahnung von diesem hat, wird dem Leser recht viel erklärt. Es geht kaum um Gilberts Gefühle oder seine Handlung, vielmehr erhalten wir eine Japaneinführung. Wie nötig die ist, kann jeder selbst entscheiden. Mir persönlich wäre es fast lieber gewesen, Japan wäre nicht so gewichtig in der Geschichte. Im Endeffekt spielt es kaum eine Rolle in welchem Land Gilbert sich befindet. Yosa's Rolle wurde mir recht schnell klar, die Auflösung der Geschichte, war daher nicht überraschend für mich. Ich glaube allerdings auch nicht, dass die Autorin eine große Überraschung draus machen wollte.

Matsushima @http://www.japan365days.com


Ein poetischer Blick ins Innenleben eines Mannes der eine Midlifecrisis durchläuft. Auf der einen Seite denke ich, dass nur Japanophile Spaß dran haben werden, auf der anderen glaube ich, dass nur Leser, die nicht mit dem Grund "Japan" hier Spass haben werden. Zwiespalt wie selten bevor. Dank der Lobeshymnen überall, bin ich mir aber sicher, dass das Buch seine Leser finden wird.