Donnerstag, 26. Oktober 2017


Titel: Kleine Stadt der grossen Träume

Autor: Backman, Fredrik

Verlag: Fischer Krüger

Seiten: 512 Seiten

Preis: 19.99 Euro


Worum es geht:

Wer glaubt noch an Björnstadt? Es liegt viel zu weit hinter den dunklen Wäldern im Norden. Doch die Menschen hier halten zusammen. Und sie teilen eine Leidenschaft, die sie wieder mit Stolz erfüllen könnte. Die den Rest der Welt an Björnstadt erinnern könnte. Vielleicht sogar Arbeitsplätze bringen, eine Zukunft. Deshalb liegen alle Träume und Hoffnungen nun auf den Schultern ein paar junger Björnstädter. Noch ahnt keiner in der Stadt, dass sich ihre Gemeinschaft über Nacht für immer verändern wird.


Meine Meinung:

Im Februar habe ich vom englischen Verlag ein Leseexemplar zu Beartown erhalten. Was habe ich mich gefreut, habe ich die anderen Titel von Backman jedes mal verschlungen. Ich brauchte eine Woche für 5 Kapitel und habe es dann zu Seite gelegt. Im März der 2. Anlauf. Im April habe ich das Buch bereits weggeräumt und daran gezweifelt es jemals zu beenden. Im Juni erreichte mich das Leseexemplar der deutschen Ausgabe und ich fragte mich, ob die Sprache vielleicht einen Unterschied machen könnte. Ende August fand ich "Stadt der Bären" beim Aufräumen wieder, und fragte bei einer lieben Kundin, wie ihr das Buch auf Englisch gefallen hatte. Auch sie ist ein großer Fan und hatte nach Erscheinen gleich ein Exemplar gekauft. Geliebt habe sie es, verschlungen in 2 Nächten! Warum quälte ich mich dann seit Februar damit rum?

Die ersten Kapitel gehen um Hockey und welche Auswirkung der Sport auf das Städtchen hat. Jedes Kapitel, jede Figur, jede Sichtweise, alles hat mit Hockey zu tun. Viele Rezensionen, und auch die Kundin meinten "darum gehts aber nicht". Aha. Frederick Backman verwendet Wiederholungen zum Schluss jedes Kapitels. "Man gab nicht wenig für Hockey, man gab alles." - "Elternherzen heilen nie. Kinderherzen auch nicht." Irgendwann war es mir einfach zu viel, die Sprache, der Stil, Hockey, Figuren. Es lies mich an Stephen Kings "The Dome" denken, ein Dorf abgeschottet mit gefühlt tausenden Figuren die der Autor reindrückt. Dennoch, ganz abgebrochen hatte ich den Titel nie. Ich griff zur deutschen Ausgabe, ich fand meine Stelle und begann zu lesen. 



Ich hab das Buch in 2 Tagen beendet, konnte es kaum aus der Hand legen. Es geht um Hockey, aber nicht nur. Schwer etwas zu sagen ohne zu Spoilern, sollte doch jeder selbst überrascht werden. Noch eine Paralelle mit King, das "foreshadowing": "Sie würde sich nie verzeihen, aus der Tür gegangen zu sein." - "Amat lachte und er würde sich sein ganzes Leben dafür schämen." usw...

Der Englische, sowie der deutsche Verlag haben den Titel mittlerweile wieder geändert. Aus Beartown wurde The Skandal, eine passende Änderung, die wahrscheinlich auch hilft das Buch an den richtigen Leser zu kriegen. Schließlich kauft nicht jeder Backman nur wegen des Autors. Im deutschen wurde Stadt der Bären zu kleine Stadt der großen Träume. Mit diesem Titel werden wohl mehr Menschen zu dem Buch greifen, mir fehlt da aber noch ein bisschen etwas. Ich befürchte, das Backman sich ein wenig zu viel Zeit gelassen hat um mit der Haupthandlung zu beginnen. Fast die Hälfte des Buches ist Aufbau des Verständnisses für die Stadt und der Figuren. Dafür kam das Ende zu rasant, kaum wird der Skandal behandelt, fühlt es sich an als wäre auch schon alles vorbei. Geschmacksache natürlich. Anders fehlt vielleicht das Verständnis für vieles anderes.

Backman versucht ein Thema anzusprechen, das wichtig ist angesprochen zu werden. In der Ausführung fand ich es leider ein wenig schwach. Es las sich wie ein Jodi Picoult vor 15 Jahren. Auf dem richtigen Weg und definitiv empfehlenswert. Ich bin gespannt in welche Richtung er sich noch entwickeln wird.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Empfehlung zu "Der gefährlichste Ort der Welt/ The most dangerous place on earth" von Lindes Lee Johnson

dtv.de



Autor: Johnson, Lindsey Lee

Titel: Der gefährlichste Ort der Welt /
Most dangerous place on earth 

Verlag: dtv / penguinrandomhouse
Deutsche Ausgabe erscheint am 13. Oktober 2017

Seiten: 304 Seiten 

Preis: 21,00 Euro Deutsche Ausgabe / 
Englische Ausgabestartet ab 12,99 Euro 





Diese Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe. 




Worum es geht:

Willkommen in Mill Valley! Willkommen am gefährlichsten Ort der Welt!
Als Tristan Bloch eines Morgens auf sein Fahrrad steigt und losradelt, auf die Golden Gate Bridge zu, den heißen, schweißnassen Kopf gesenkt, da ahnen wir schon, dass ihn der Verrat seiner Angebeteten, Calista, vernichtet hat. Sein Liebesbrief wurde auf Facebook gepostet, und das war ihre Schuld.

Fünf Jahre später: Kurz nach dem dramatischen Ende einer Abschlussparty betrachtet Calista, Tristans erste und letzte große Liebe, in dem Versuch, die Ereignisse zu begreifen, ein altes Klassenfoto – Tristan, lachend, in seinen unmöglichen grellgelben Trainingshosen, der sanfte Dave Chu, der durchtriebene Ryan Harbinger, Baseball-Captain und Schwarm aller Mädchen, Abigail Cress, damals noch Calistas beste Freundin, die später mit einem Lehrer anbandelte, und all die anderen, die mit dem Leben und der Liebe gespielt hatten. Ihre fröhlichen Gesichter täuschen. »Sie taten, was sie konnten, um zu überleben.«



Für einen von ihnen war Mill Valley, das verträumte reiche Städtchen über der Bucht von San Francisco, ein vermeintliches Paradies, zur Hölle geworden. Und sie, die zurückblieben, waren vom Leben gezeichnet, noch bevor es richtig begonnen hatte. - dtv.de




Meine Meinung:

"The most dangerous place on Earth" fiel mir bereits in den englischen Vorschauen auf, doch konnte ich mit der Inhaltsangabe kaum was anfangen. Paar Monate später fiel mir der Titel in der deutschen Version im DTV Katalog auf. Diesmal sprach es mich weitaus mehr an. Als dann auch noch Vorablesen.de das Buch ins Programm nahm versuchte ich mein Glück! Das Buch schien mich regelrecht zu verfolgen und nach der Lektüre der Leseprobe hatte ich bereits Gänsehaut. Ich bin allerdings ein recht ungeduldiger Mensch, sodass ich nicht abwartete, ob ich bei vorablesen gewinnen würde oder nicht. Ich besorgte mir das Buch auf Englisch.
(Was gut war, denn ich gewann natürlich nicht bei vorablesen).

Lindsey Lee Johnsons Debüt beginnt mit einem Liebesbrief an Callie. Die dreizehnjährige ist überfordert und angewidert und sucht Hilfe bei ihren Freunden. Die Ausartung in Mobbing lässt den Leser geschockt zurück. Wer nicht mehr weiss wie fies und Skrupellos Teenager sein können, wird hier wieder dran erinnert. Tristan Block, der Schreiber des Briefes, sieht nur noch einen Ausweg: Suizid.

Das erste Kapitel ist Wegweiser der Geschichte. Wer nun auf aufmunternde Lektüre hofft, wird enttäuscht. 5 Jahre später müssen die Klassenkameraden Tristans anfangen sich Gedanken über die Zukunft zu machen. In abwechselnden Perspektiven werden die Leben der Hinterbliebenen beleuchtet. Bewusst oder unbewusst, Tristan hat ihr Leben verändert. Über den Kurs des letzten Highschooljahres folgen wir den Dramen der Lehrer und Schüler von Mill Valley. Da ist Callie, die sich jetzt Callista nennt und die meiste Zeit High ist um nicht über Tristan nachzudenken. Abigail, die an dem falschen Ort nach Liebe sucht. Dave, ein Mittelmäßiger Schüler der unter dem Druck seiner Eltern zu zerbrechen droht. Nick, das Genie, der Kriminelle. Was mich an den Figuren hier auch besonders begeisterte war der Umstand, dass keiner nur ein Klischee war. Die Partymaus = Check. Der Schulstreber = Check. Lindsey Lee Johnsons Protagonisten haben Tiefen, Ecken, Kanten und etwas Echtes. Vielleicht ist es das was den Leser so erschreckt. Die Schüler sind egozentrisch, smartphonesüchtig und privilegiert. Sie sind aber auch verletzt, empathisch, verliebt, verzweifelt.


Mobbing und Depressionen sind jetzt keine neuen Themen, wieweit der Erwartungsdruck von Eltern Kindern treiben kann, haben wir sicherlich schon dutzende Male gelesen. Dennoch schafft Lindsey eine beängstigende Atmosphäre die mich sowohl ekelte als auch schockierte. Vor allem die anscheinende Abgestumpftheit der Schüler war erschütternd. Das Dilemma der reichen Eltern die mehr Zeit auf der Arbeit verbringen als mit ihren Kindern, oder ihre Kinder zu sehr bemuttern. Man scheint es keinem Recht machen zu können. Ab wann übt man Druck aus, ab wann hilft man seinem Kind? Solange die Noten stimmen haben die Kiddies hier anscheinend freie Bahn, und nutzen das aus. Konsequenzen scheint hier keiner zu kennen. Wie moralisch ist man, wenn man keine Grenzen hat? Selten konnte ein Buch für mich so die Spannung halten. Einzig das Ende fiel mir persönlich ein wenig zu flach aus. Man kann Lindsey Lee Johnson nur gratulieren an ihrem Einfallsreichtum, welches teilweise zwar übertrieben aber immer noch das Gefühl von Normalität behält. Eben darum bin ich froh die Schulzeit hinter mir zu haben.

Sowohl für ein Publikum ab 15 Jahren als auch für Erwachsene.

Freitag, 13. Oktober 2017

Meine erste Lovelybox! Thema Herbst by Kiepenheuer & Witsch!

@lovelybooks.de














Seit es die #Lovelybox gibt melde ich mich an, und versuche mein Glück. Zugegeben, nur zu den Boxen die mich auch Inhaltlich interessieren. Eine Krimi/Thriller Box oder Sachbuch, brauch ich nicht, und fänds Schad eine zu gewinnen, wenn ein anderer Mitfieberer sich wahnsinnig darüber freuen würde. 
Literarische Highlights und auch noch von KiWi? HER DAMIT! 
Zum ersten Mal soll mir das Glück hold sein, paar Tage nach der Anmeldung kam die Email: "Gleich wirst du vor Freude hüpfen." 
Gackelchensbooks Instagram



Einige Tage später sollte ich zum ersten Mal die Kiste in der Hand halten. Was für ein Ding! So gross sieht sie auf den Fotos der anderen Gewinner nie aus. Selbst mein Freund meinte, dass die Box echt Schick ist. 
Neben Lesezeichen und lieben Briefchen befanden sich 3 Bücher in der Box. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Kiepenheuer & Witsch Verlag. Zum Glück hatte ich auch noch keines der Bücher zuhause! Der Titel von Norman Ohler war mir bis dahin auch unbekannt. Wer wie ich den einen, oder mehrere, oder gar keinen der Titel kennt, hier kommt eine kleine Auflistung der Bücher. 



Buch Nummer 1: Die Unzertrennlichen von

Stuart Nadler hat bereits mehrere literarische Auszeichnungen erhalten, u.a. wurde er von der National Book Foundation als einer der besten fünf Autoren unter 35 Jahren ausgerufen und erhielt das Truman Capote Fellowship. Sein Debütroman »Ein verhängnisvoller Sommer« wurde von der amerikanischen Kritik begeistert aufgenommen.
Inhalt:
@KiWi
Welche Rolle spielt die Familie, wenn es hart auf hart kommt?
»Die Unzertrennlichen« ist ein hochkomischer, exzellent geschriebener Roman über drei Frauen, Tochter, Mutter und Großmutter, die immer weiter im Chaos ihres Lebens versinken.
Henrietta Olyphant hat gerade ihren Mann und fast all ihr Geld verloren, da droht eine weitere Katastrophe: Ihr Buch »Die Unzertrennlichen« soll wiederaufgelegt werden. Viele Dekaden sind vergangen, in denen sie keinen Gedanken an ihren Bestseller wider Willen über die Sexualität der Frau verschwenden musste. Das umstrittene »Handbuch für Besucher des weiblichen Körpers« mit sehr expliziten Zeichnungen von Geschlechtsorganen sollte ein feministischer Beitrag zum prüden Leben im Amerika der Sechzigerjahre sein, leider wurde es millionenfach von verklemmten Hausfrauen und lüsternen Männern gekauft und von der Kritik übel verschmäht. Oona, Henriettas Tochter und Chirurgin, ist gerade wieder nach Hause gezogen, nachdem sie sich von ihrem dauerbekifften Mann getrennt und jetzt eine Affäre mit dem Paartherapeuten angefangen hat. Ihre Tochter Lydia wiederum wird von der Schule suspendiert, weil ein Nacktfoto von ihr unfreiwillig die Runde gemacht hat.
Die drei Olyphantfrauen müssen sich zusammen ihren Dämonen stellen, das Chaos wird allerdings immer größer statt kleiner. »Die Unzertrennlichen« stellt auf hochkomische Art die Frage, ob man sein Leben wirklich planen kann und welche Rolle die Familie spielt, wenn es hart auf hart kommt. - www.kiwi-verlag.de

Buch Nummer 2: Die Gleichung des Lebens von 
Norman Ohler wurde 1970 im pfälzischen Zweibrücken geboren. Nach dem Abitur schrieb er 1990 seine erste Novelle »Der Reporter«. Mit 22 Jahren besuchte er die renommierte Hamburger Journalistenschule, es folgten Arbeiten für die Zeitschriften »Spiegel«, »Stern« und »Geo«.
Inhalt:
Friedrich der Große, der Mathematiker Leonhard Euler und die Trockenlegung des Oderbruchs.
@KiWi
Sommer 1747. Friedrich II. will das unwegsame, von aufsässigen wendischen Fischern bewohnte Oderbruch in Ackerland verwandeln. Das Mathematikgenie Leonhard Euler soll die nötigen Berechnungen durchführen. Doch als ein Ingenieur des Königs ermordet wird, verliert sich Euler in diesem preußischen Amazonien, das dem Untergang geweiht ist, sich aber mit allen Mitteln wehrt.
Friedrich II. will die Sumpfgebiete östlich von Berlin trockenlegen, um dort Flüchtlinge anzusiedeln. Wo noch Fische, Schildkröten und Wasservögel in überwältigender Artenvielfalt leben, sollen Kühe grasen und die Kartoffel wachsen. Es ist die Zeit vor der gewaltigen Johanniflut, die das Bruch wie seit Urzeiten überschwemmen wird. Unter den Fischern herrscht Unruhe, sie fürchten den Untergang ihrer Welt. Als der Ingenieur Mahistre tot am Oderstrand angetrieben wird, übernimmt Leonhard Euler die Ermittlungen und gerät plötzlich selbst ins Visier. Nur die Begegnung mit Oda, der Tochter des Anführers der Wenden, kann sein Leben noch retten.

Ein hervorragend recherchierter, atmosphärisch dichter Roman mit einer erstaunlichen Vielfalt an Figuren und Stimmungen: Vor dem Hintergrund des 18. Jahrhunderts entsteht ein Tableau um Verdrängung, Angst vor dem Fremden und Kolonialisierung, das wie ein Spiegelbild unserer Gegenwart wirkt. -www.kiwi-verlag.de

Buch Nummer 3: Rimini von 

Sonja Heiss, geboren 1976, absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München. »Hotel Very Welcome«, ihr erster Kinofilm, feierte seine Premiere bei der Berlinale 2007, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und lief weltweit auf Festivals. Ihr zweiter Kinofilm »Hedi Schneider steckt fest« war für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Drehbuch nominiert und gewann in der Kategorie Beste Hauptrolle.

Inhalt: 

Eine ganz normale Familie, normal dysfunktional.
@KiWi
Sonja Heiss’ Romandebüt wird einiges mit Ihnen anstellen: Sie werden laut lachen, Sie werden sich selbst und Ihre Familie wiedererkennen und Sie werden mehr lesen wollen. Versprochen!
Hans ist Anwalt, reich und erfolgreich. Doch auf einmal kehrt diese irrationale Wut in ihm zurück. Seine Ehe funktioniert nicht mehr und statt mit seiner neuen Psychoanalytikerin Frau Doktor Mandel-Minkic an seinen Problemen zu arbeiten, verliebt sich Hans in sie. Seine Schwester Masha ist 39 Jahre alt, als sie beschließt, ein Kind mit ihrem Freund zu bekommen. Doch plötzlich geht er ihr schrecklich auf die Nerven. Masha begibt sich auf die panische Suche nach einem neuen Mann, doch ihre Idee, im Bett den zukünftigen Vater ihres Kindes zu finden, ist zum Scheitern verurteilt.
Alexander und Barbara, die Eltern der ungleichen Geschwister, sind seit über vierzig Jahren leidlich glücklich verheiratet und müssen sich jetzt im Alltag eines Rentnerpaars einrichten. Während Alexander sich schon einsam fühlt, wenn seine Frau in ein anderes Zimmer geht, bleibt für sie nur die Flucht. Sie ahnt nicht, was sie damit in Gang setzt. -www.kiwi-verlag.de




Freitag, 6. Oktober 2017

Empfehlung zu "Die Insel der Freundschaft" von Durian Sukegawa



Dumont-Buchverlag.de
Titel: Die Insel der Freundschaft

Autor: Sukegawa, Durian

Verlag: Dumont

Seiten: 350 Seiten

Preis: 20.00 Euro 

Letztes Jahr im September erschien "An- Kirschblüten und rote Bohnen" von Durian Sukegawa. Leser meines Blogs wissen mittlerweile sicherlich, dass ich Japanophil bin und wennmöglich jede Literatur diesbezüglich verschlinge. Dass Dumont einer meiner Lieblingsverlage ist, hat auch dazu beigetragen, dass ich "An" gleich nach erscheinen verschlungen habe. Meine Empfehlung dazu findet ihr hier: "An- Kirschlüten und rote Bohnen"
Als in den Verlagsvorschauen über das neueste Buch Durians berichtet wurde, war klar "DAS muss ich haben!", seht ihr auch in meinem "Herbsthighlights" Beitrag ;-). Das Glück sollte auf meiner Seite stehen, als Ende September Lovelybooks.de eine Leserunde zum Buch ausschrieb und ich tatsächlich ein Exemplar gewann! Wisst ihr wie lange ich schon nichts mehr dort gewonnen hatte? Es war Schicksal, oder?! Aber kommen wir mal zur Sache:


Worum es geht: 

Irgendwo im Pazifischen Ozean befindet sich die japanische Insel Aburi – ein aus der Zeit gefallenes Fleckchen Erde. Der junge Ryosuke, der seine Stelle als Koch in einem Restaurant in Tokio verloren hat, nimmt hier einen Job als Bauarbeiter an. Nicht ganz ohne Grund: Ein Freund seines toten Vaters lebt hier. Von ihm erhofft er sich eine Antwort auf die Frage, woran seine Familie zerbrach.
Die Einwohner von Aburi begegnen dem Neuankömmling skeptisch, und die Arbeit erweist sich als hart. Doch Ryosuke schließt Freundschaft mit zwei weiteren Fremden – dem draufgängerischen Tachikawa und der burschikosen Kaoru. Alle drei hadern mit der Vergangenheit, dem Leben und sich selbst. Für sie scheint es keinen Platz auf der Welt zu geben.
Doch gemeinsam begeben sie sich auf die Spuren von Ryosukes Vater – eine Suche, während derer sie lernen, sich auf die Natur und sich selbst zu besinnen. Und schließlich scheint ein Neuanfang möglich … - Klappentext @Dumont-Buchverlag.de


Meine Meinung: 



Ryosuke, ein Suizidgefährdeter alleinstehender Mann, begibt sich unter dem Vorwand auf Arbeit auf eine abgeschottete Insel. Doch eigentlich will er da ganz gezielt hin und jemanden finden. Tashikawa hat seine Schule abgebrochen und lebt in den Tag hinein, die Aussicht auf Arbeit am Meer ließ ihn zusagen. Doch eigentlich ist er auf der Suche nach seiner Bestimmung. Kaoru wurde als einzige Frau als Bauarbeiter angeheuert, und das auch nur in der Hoffnung, dass sie einen der Männer auf der Insel heiratet. Doch eigentlich will Kaoru sich selbst etwas beweisen und ihre Ängste überwinden.
Die Drei verbindet durch harte Arbeit und Ausgeschlossenheit der Einwohner ein zartes Band der Freundschaft, welches unter anderen Umständen kaum zustande gekommen wäre. Wie bereits in Sukegawas Debüt beherrscht eine sanfte, direkte Sprache die Geschichte. Mit gezielt platzierten Sätzen schafft er ein poetisches Bild, Aquarellfarben gleich.

"Es geht uns doch allen gleich. Wenn wir uns etwas vornehmen, denken wir, wir müssten es um jeden Preis erreichen. Und wenn wir es doch nicht schaffen, fühlen wir uns gleich wie Versager. Aber ich weiß nur zu gut, was es heißt, sein Leben für einen Traum zu opfern. Ein Traum darf ruhig auch ein Traum bleiben."

Wenn man weiß, dass Japaner essen lieben, ist man kaum überrascht über Sukegawas Erfolg. Auch in diesem Buch schafft er eine Handlung rund um Essen. Diesmal wird dem Leser einiges über Chevre, Ziegenkäse, beigebracht. Zugegebenermaßen hat mir der Folgeband nicht so gut gefallen wie "An", war mir das Element der Freundschaft, welches laut deutschen Titel elementar sein sollte, zu schwach. 

Geht man vom japanischen Originaltitel aus , "Die Insel der Pinza", (Auf der Insel werden Ziegen Pinza genannt ) ergibt das Buch viel mehr Sinn. 
Einen leichten mysteriösen Hauch umhüllt die Insel. Lange habe ich auf etwas übernatürliches à la Lost gewartet Eine Insel voller Aussätziger, ungewollt in der konformen Gesellschaft Tokyos. Hier kommt dann auch das Thema des Fremdenhasses in Szene. Sind die Arbeiter auch eingeflogen worden, um frisches Blut auf die Insel zu bringen, scheinen nicht allzu viele Anwohner Freude an dem Besuch zu haben. Erschreckend aktuell liest man kopfschüttelnd wie es doch anscheinend überall gleich auf der Welt zugeht...

Ryosuke als Hauptfigur war eine interessante Wahl. Die drei Figuren waren recht skurril auf ihre Art, sehr ausdrucksstark wenn man die japanische Reserviertheit im Sinn hat. Ryosuke, obwohl er kaum was sagt, zeigt mit seinen Aktionen seinen starken Lebenswillen. Auf der Insel findet er einen Grund weiterzuleben, findet Hoffnung etwas in seinem Leben leisten zu können. Für Liebhaber der japanischen Kultur gibt es hier mal einen Einblick in das leben von japanischen Einsiedlern, abwärts von Tokyo. Abgeschotten auf der Insel entsteht ein eigener kleiner Kosmos, abwärts der Grossstadtzwängen. 

Durian Sukegawa lässt einen Träumen, paar Stunden Ferien haben und ist dennoch nie seicht. Angenehm unaufdringlich. Liebe Leser, besorgen Sie sich eine Scheibe Toast, ein frisches Stück Ziegenkäse, einen tropfen Honig drauf, und genießen sie den Abend mit diesem Buch.

"Gedankenverloren berührte er seine linke Brust. Vielleicht war sein Selbst wirklich nur etwas Flüchtiges, doch unter der wulstigen Narbe pulsierte deutlich spürbar sein Herz."