Mittwoch, 23. November 2016

Rezension zu "Die Spionin" von Coelho Paulo

Titel: Die Spionin

Autor: Coelho, Paulo

Verlag: Diogenes

Seiten: 192 Seiten

Preis: 19.90 EUR

Worum es geht: 

Wer ist die Frau hinter dem schillernden Mythos? Paulo Coelho schlüpft in ihre Haut und lässt sie in einem fiktiven, allerletzten Brief aus dem Gefängnis ihr außergewöhnliches Leben selbst erzählen: vom Mädchen Margarethe Zelle aus der holländischen Provinz zur exotischen Tänzerin Mata Hari, die nach ihren eigenen Vorstellungen lebte und liebte und so auf ihre Art zu einer der ersten Feministinnen wurde. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, lässt sie sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein. - Klappentext @Diogenes





Meine Meinung: 


Als ich mit Vierzehn zum ersten Mal über Paulo Coelho stolperte, verschlang ich seine Werke über die nächsten Jahre. Er konnte mir nicht schnell genug schreiben. Wann sich die Euphorie über ein neues Buch gelegt, die Aussage von "Hervorragendes Buch "zu "Ja war ok, so, ne?!" wurde, kann ich mittlerweile gar nicht mehr sagen. Die letzten Titel Coelhos waren nicht meines, sosehr ich sie auch lieben wollte. Bin ich ihm entwachsen oder ist er es, der sich verändert hat?

Bei jedem Buch gebe ich ihm eine neue Chance, unserer gemeinsamen Geschichte wegen, und doch muss ich wohl einsehen, dass "Die Spionin" mein wahrscheinlich letztes Buch von Coelho sein wird. Die Geschichte Mata Haris, ganz schlimm aus ihrer Sicht geschrieben, kommt getrieben daher. Schnell, schneller, Paulo? 300 Seiten schreiben ist anstrengend und es scheint als habe er darauf keine Lust mehr. 190 müssen reichen. Mata Hari wird er dadurch leider nicht gerecht.

"Apparently foreigners were not welcome, or Parisians thought they were superior to all other peoples pf the earth."



Ich habe um das Potential der Geschichte geweint, geht er die Fakten nur durch ohne große Gefühle. Geschrieben als Brief von Mata Hari selbst an Mr Clunet, rekapituliert sie ihr leben in der Hoffnung der Brief möge ihrer Tochter überreicht werden. Ihr so ein Stück Geschichte hinterlassen zu können. Diese Seiten lesen sich so emotionslos wie eine Einkaufsliste. Das Buch hat einen starken Auftakt mit Mata Hari's Hinrichtung, und nach ihrem Brief endet Coelho mit einem Antwortschreiben von Clunet, der die letzten Tage nach der Gefangennahme nochmal für den Leser erläutert. Ebenso emotionslos.







Montag, 14. November 2016

Empfehlung zu "Libellen im Kopf" von Gavin Extence

Titel: Libellen im Kopf

Autor: Extence, Gavin

Verlag: Limes

Seiten: 352 Seiten

Preis: 19.99 EUR

Worum es geht: 

Das Leben hat seine Höhen und Tiefen. Die Kunst ist es, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Alles begann, wie es manchmal eben so ist, mit einem toten Mann. Er war ein Nachbar – niemand, den Abby gut kannte, dennoch: Einen Verstorbenen zu finden, wenn man sich nur gerade eine Dose Tomaten fürs Abendessen ausleihen möchte, ist doch ein bisschen schockierend. Oder sollte es jedenfalls sein. Zu ihrem eigenen Erstaunen ist Abby von dem Ereignis zunächst seltsam ungerührt, aber nach diesem Mittwochabend gerät das fragile Gleichgewicht ihres Lebens immer mehr ins Wanken, und Abby scheint nichts dagegen unternehmen zu können …

Meine Meinung:

Gavin Extence hat es mit seinem Debut "Alex Wood vs the Universe" geschafft Millionen Menschen zu begeistern. Ein Buch, das auch mich zu überzeugen wusste, und ich immer noch vielen Menschen empfehle. Gavin Extence war von da an ein Name, nach dem ich Ausschau hielt. Mit Libellen im Kopf legt er nun nach, allerdings anders als man erwarten würde. Viele beklagen das andersartige an dem Buch, nichts erinnert an Alex Woods, und ich finde das hervorragend. Ein wenig ließ mich dieser Umstand an Rachel Royce erinnern, die nach Harold Fry den Titel "Das Jahr das zwei Sekunden brauchte" herausbrachte, ebenfalls eine grandiose Änderung des Stils. Hätte er einen Alex Woods 2.0 geschrieben, hätte die Leser sich über seine Unfähigkeit etwas Neues auszudenken aufgeregt. Da bevorzuge ich doch lieber Kritiken, die aus ihrer Erwartungshaltung über das Thema heraus, vor den Kopf gestoßen wurden. Gavin schreibt nicht um den Erfolg von seinem Debut zu übertreffen, sondern um ein Thema an die Öffentlichkeit zu bringen, dass ihm wichtig zu sein scheint. Es fühlt sich ehrlich an, worüber er schreibt. Gavin Extence selbst hat eine bipolare Störung, was wohl half Abby so natürlich in ihrem Wahn wirken zu lassen. Man will glauben, dass ihm die Geschichte wichtiger ist als sein Name auf einer Bestsellerliste. Dass er schreiben kann und die Umsetzung des 2. Buches mir persönlich gefiel, hilft ihn gegen negative Reviews zu verteidigen. Geht offen an das Buch ran. Vergesst Alex Woods, und alles was ihr glaubt hier geboten zu kriegen. Schwups bekommt das Buch ein ganz anderen Stellwert und kann gefallen.

allhoppedupandreadytogo.wordpress.com


Wer sich offen an Libellen im Kopf versucht, bekommt einen dunklen Ausschnitt aus dem Leben der manisch-depressiven Journalistin Abby, die mit ihrer Art öfters mal aneckt. Das Schauspiel beginnt damit, dass Abby die Leiche ihres Nachbarn findet, dies in einem Artikel an die Öffentlichkeit bringt und daraufhin mit den Folgen leben muss. Wie weit Ehrlichkeit einem zum Verhängnis oder Glückseligkeit bringen kann, kann jeder für sich selbst herausfinden. Abbys Gedankengänge werden dem Leser logisch dargelegt, man nickt zustimmend bei ihren Erklärungen, ergibt alles Sinn, irgendwie. Auf Konfrontation reagiert sie mit Flucht, versteht halt bloß keiner, hört ja auch nie einer zu! Ich sah mich zwiegespalten zwischen den fronten, hatte ich Verständnis für beide Parteien.

Während Abbys familie versucht sie zu stützen und in ihrem Wahn zu bremsen, verliert sie sich zwischen Affenkreis, Abendkleidern und Kognitive Distanzen. Diese spannende Mischung an Themen, gepaart mit Abbys Persönlichkeit lassen es nicht langweilig werden. Man kommt nicht umhin zu schmunzeln, bei jedem neuen Thema, das sie aufschnappt und sich drin verbeißt,Sehr zum Leidwesen ihrer Umwelt. Beck, ihr Partner von 3 Jahren, repräsentiert realistisch die Frustration und Hilflosigkeit. Ihre Schwester, sowie ihr Vater, kommen nur kurz in Erscheinung, verlieren schnell die Geduld und stacheln Abby im Grunde nur noch mehr an. Denn die Hilflosigkeit besteht nicht nur im Umwelt, sondern auch in Abby selbst, die sich konstant unverstanden fühlt...

Dorchester Collection


Keine große Handlung, aber umso mehr Gefühl und ein kleiner Einblick in die Psyche werden uns hier geboten.

Ich freue mich auf das nächste Buch von Gavin und bin gespannt, womit er uns diesmal überrascht