Dienstag, 9. August 2016

Empfehlung zu "All the Ugly and Wonderful things" von Bryn Greenwood



Autor: Greenwood, Bryn

Titel: All the Ugly and Wonderful things

Verlag: Thomas Dunne Books

Seiten: 359

Preis: 22.95.-





“There’s nothing wrong with me buying her a ring. She’s my girl.”
“Yeah, except for the part where you’re a pedophile.” 






Worum es geht:  

Als Wavy mit 4 Jahren zur Pflege zu ihrer Tante kommt, hat sie schon einiges erlebt. Nach 2 Jahren in der Obhut ihrer Großmutter, darf Wavy wieder zu ihrer Mutter und ihrem neugeborenen Bruder nach Hause. Schnell muss Wavy lernen, dass es ihrer Mutter gar nicht besser geht, und sie sich um ihren Bruder kümmern muss, wenn sie will dass er überlebt. Mit ihren 8 Jahren ist Wavy die einzige Erwachsene im Haushalt, als sie Jesse Joe Kellen kennenlernt. Für den einsamen Kellen erscheint Wavy wie ein Engel, während er verblutend auf den Tod wartet. Diese Begegnung verändert das Leben aller, werden Wavy und Kellen unzertrennlich und schon bald mehr als nur Freunde. Mit Kellens 12 Jahren mehr als Wavy, steht diese Liebe allerdings unter einem schlechten Stern.

Meine Meinung:

Jemand der viel liest, auch Genreübergreifend, erreicht irgendwann den Punkt der Langeweile. Vorhersehbar wird, schon mal gesehen, na das ging ja auch schon mal besser... Bryn Greenwood hat es geschafft ein Buch zu schreiben das wie eine erfrischende Brise durch einen durchgeht. Bis ins Mark. Bücher die sich mit dem Thema der Pädophilie beschäftigen, mag es viele geben, aber Wavy und Kellen gehören nicht zu den Klischeegeschichten. ( Ich gebe auch zu, dass ich noch nicht sooo viele Geschichten zu dem Thema gelesen habe ) In fast jeder Review wird Lolita erwähnt, ich muss Fans aber enttäuschen. "All the Ugly and Wonderful Things" hat keine Parallelen zu Lolita. Humbert Humbert ist ein Jäger, sucht sich gezielt junge Mädchen eines spezifischen Types aus, und tut dann alles um diese für sich zu gewinnen. Kellen ist nicht pädophil, er fühlt sich nicht von Kindern angezogen, er liebt nur Wavy. Auf eine sehr platonische Weise, die sich erst später durch Wavys Bedrängungen zu mehr entwickelt. Dass Wavy erst 8 ist, als sie sich kennenlernen, ist ein Umstand den Beide nicht ändern können.

Die Autorin hebt keinen Finger, schreibt dem Leser nicht vor was er zu fühlen hat. Durch die verschiedenen Blickwinkel und Stilbrüche, bleibt die Geschichte Objektiv. "Show, not tell" was es dem Leser ermöglicht sich sein eigenes Bild zu machen. Man kann sich abgestoßen fühlen, man kann es romantisieren. Alle Türen stehen dem Leser offen, jede Reaktion ist vertreten. Ein Tabu, so unglaublich wundervoll beschreiben, voller Schmerz und Ekel und Einsamkeit. Da Wavy recht Altersneutral dargestellt wird, nur hier und da mal eine Erwähnung als Anhaltspunkt, kann der Leser schnell vergessen wie jung sie eigentlich ist. Ihr erzwungenes frühe erwachsen werden unterstreicht diesen Punkt nochmals. Kellen selbst wird nie aufdringlich, reagiert im Grunde nur auf sein Umfeld, auf Wavy. Es wird klar, dass er sie selten als Kind sieht, sondern als der Mensch der sie ist.



Bryn Greenwood:
I get inspiration from all kinds of things, but this book literally started with me seeing a guy riding a motorcycle on a dirt road through a hay field at sunset. I wanted to know who he was and where he was going. My daydreaming about that scene turned into Wavy and Kellen's story. As for how I managed to make their relationship something more than a tragic headline? The short answer is that I lived it. The book isn't autobiographical, but at the age of 13, I did date and fall in love with a much older man. I wasn't normal. He wasn't normal. But we understood each other. We had a loving, consensual romance that nurtured me more than a lot of my adult relationships have.




Die Familienverhältnisse alleine wären genug gewesen für ein Buch. In wundervoll zerstörten Figuren lässt Bryn am Leben am Abgrund teilhaben. Zerstörte Träume, Überlebenskampf, Abhängigkeit, selten als so echt empfunden. Aber selbst die vermeintliche perfekte Familie, wie Wavys Tante mit ihren Kindern dargestellt wird, hat Risse und Flecken. Brenda, Wavys Tante wird die einen zur Weißglut bringen, den anderen als einzig vernünftige Figur im Buch vorkommen. Der Aufenthalt von Wavy in dem "perfekten" Haushalt zeigt die Welten die zwischen den beiden liegen und wie viel "Erziehung" ausrichten kann. Wavys Mutter, in ihren Obsessionen, versucht sie zu beschützen und erreicht damit nur Zwangsstörungen. Nicht verwunderlich, dass sie sich zu Kellen hingezogen fühlt, ist er der Einzige der sie akzeptiert wie sie ist.
Ein Buch voller wundervollen Momenten, einer schrecklichen Kindheit voller Hoffnung und einer Liebe, so echt wie die jedes anderen.

"I liked learning things. How numbers worked together to explain the stars. How molecules made the world. All the ugly and wonderful things people had done in the last two thousand years."

Das sich die Geschichte so echt anfühlt, die Figuren einem im Kopf bleiben wie eigene Verwandten, liegt daran dass sie auf echten Ereignissen basieren. Bryn hat unter anderem bestätigt selbst eine Beziehung zu einem wesentlich älteren Mann gehabt zu haben, in dem Alter von 13. Zwar nicht Biografisch, weiß "All the Ugly and Wonderful Things" dennoch den Leser zu überzeugen, und sich zu fragen ob sie nicht doch wahr ist, die grausam berührende Geschichte um Wavy and Kellen.




@Bryn Greenwood


"Right up until that moment it was sweet and funny. Odd couple that they were, they had a real connection. Then he tugged her boot off and kissed the bottom of her bare foot. I could see him doing that kind of thing to his own kid, but she wasn’t."

Danke an Netgalley für das Ebook. 

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