Freitag, 29. Juli 2016

Rezension zu "Eigentlich bist du gar nicht mein Typ" von Anna Bell

@Droemer-Knaur


Titel: Eigentlich bist du gar nicht mein Typ

Autor: Bell, Anna

Verlag: droemer-knaur

Preis: 9.99 Euro

Seiten: 400 Seiten



Worum es geht: 

Abi ist sich sicher, in Joseph ihren Traummann gefunden zu haben. Mit ihm möchte sie alt werden und den Sonnenuntergang in Portsmouth beobachten. Joseph sieht das allerdings etwas anders und verlässt Abi von einem Tag auf den anderen mit der Begründung, sie seien zu verschieden. Abi ist am Boden zerstört und hofft, dass Joseph wieder zur Besinnung kommt. Als er ihr wenige Tage später allerdings eine Kiste mit ihren Sachen vor die Tür stellt, ist es amtlich: Er will nichts mehr mit ihr zu tun haben. 
In der Kiste findet Abi eine Bucket-List von Joseph, die sie nie zuvor gesehen hat: "Zehn Dinge, die ich vor meinem 40. Geburtstag getan haben möchte." Abi ist sich sicher: Wenn sie die Punkte auf Josephs Liste abarbeitet, wird er erkennen, dass sie die perfekte Frau für ihn ist. 
Dummerweise muss man ein sportbegeisterter Adrenalin-Junkie sein, um dabei zumindest ein bisschen Spaß zu haben. Surfen, mit dem Fahrrad an einem Tag um eine Insel radeln, Berge erklimmen und den höchsten Turm der Stadt besteigen? Oh Gott, denkt Abi und spürt, wie ihre Knie allein beim Gedanken daran weich werden. Doch sie gibt nicht auf und nimmt all ihren Mut zusammen. Alte und neue Freunde unterstützen sie, und so wächst Abi mit jeder kleinen und großen Herausforderung ein Stück weit mehr über sich hinaus. Sie ist mutig, verlässt ihre Komfortzone und überwindet Unsicherheiten. Als sie sich schließlich ihrer größten Angst - der Höhe - stellt, erkennt Abi, dass sie nur dann wirklich glücklich wird, wenn sie ihre eigenen Träume lebt. Und in denen spielt Joseph plötzlich gar keine Hauptrolle mehr ... 



Meine Meinung: 

Liebesgeschichten um das Abarbeiten von Bucketlists sind nichts Neues. Eine Verflossene, die die Liste ihres Ex's abarbeitet um ihn zurückzugewinnen, ist es. Mhairi Mcfarlane kam aus dem schwärmen nicht mehr raus, wohl der einzige Grund warum ich das Buch mit in Urlaub nahm. Und für die Ferien ist es perfekt. Kurzweilig und locker flockig ist es ein entspannter Zeitvertreib, ohne großen Eindruck zu hinterlassen. Dies ist nicht schlecht, wenn man einfach mal abschalten will.

Mein Hauptproblem mit dem Buch lag an den Figuren, namentlich Abi und Joseph. Mir persönlich war Abi mit ihren 30 Jahren zu unreif. Mir fehlte das Verständnis für all ihre abstrusen Ängste, und Abi hat Angst, vor allem. Ich habe keinen Spass dabei empfunden zu lesen wie Abi etwas plant und dann nur darüber redet wie schlecht sie sich dabei fühlt. Unterwegs bekommt sie Unterstützung von Freunden, die allesamt begeistert darüber sind wie sich schlägt. Ich hab mich mehrmals gefragt warum diese Figuren überhaupt befreundet sind weil außer nörgeln und maulen und schnippisch reagieren, hat Abi nicht viele einnehmenden Qualitäten.
Joseph wird als goldenes Kalb dargestellt, der heilige Gral den es zu haben gilt. Abi ignoriert die Realität der Beziehung so sehr, bis zum Ende hin, dass ich mich als Leser oft fragte was mit ihr nicht stimmt. Ich hatte auf Erkenntnis ihrerseits gehofft, vergeblich. Als dann auch mehrfach erwähnt wird, wie die früheren Freundinnen alle darum gebettelt haben, dass er sie zurücknimmt, wurde es mir ein bisschen viel. Joseph kam beim Lesen nicht gut weg, ihn dann trotzdem als Prinz Charming auffahren zu lassen, hat sich widersprochen. Wohl der einzige Pluspunkt Abis, sie hat nicht gebettelt, sondern etwas unternommen.

So, nach den Negativpunkten dann auch ausführlich warum mir das Buch, trotz allem, sehr gut gefallen hat:
Die Aussage: Du bist mehr als deine Ängste, überwinde dich ab und zu und lerne dich besser kennen! Weil Abi ihr Leben lang nie etwas gemacht hat das nicht bequem war, wusste sie nicht was ihr eigentlich gefällt. Vieles muss man probieren, und ja bei vielem kann rauskommen, dass man recht hatte und Windsurfen gefällt einem wirklich nicht. Aber wenn man es nicht einmal probiert, kann man sich nicht sicher sein.
Zu Beginn der Story tut Abi alles um zu gefallen. Sie hat im Grunde keine Meinung aus Angst, dass ihre Joseph nicht gefallen könnte. Was er mag wird auch gemocht. Je mehr sie sich kennenlernt, desto besser kann sie sich mitteilen. Und umso schwerer ist es zum Ausgangspunkt der Geschichte zurückzukehren. Eine schöne Entwicklung mit einem angenehmen Tempo.
Neben der Handlung der Selbstfindung/Liebesgeschichte kriegen wir noch ein kleines Bürodrama geliefert und ein bisschen Spannung reinbringt. Abi's Arbeit wird sabotiert und die Auflösung dieses Mysteriums läuft parallel zu ihren Bucketlist Abenteuern. Des weiteren gefiel mir wie viel und mit welchem Genuss gegessen wurde. Oh, und wie perfekt zutreffend die unfreundlichen Kellner in Paris beschrieben werden. Keine romantisierung der Stadt, nein, die Autorin scheint tatsächlich schon mal da gewesen zu sein.


Ein angenehmes Buch für laue Sommertage.



Dienstag, 26. Juli 2016

Empfehlung zu "Das Liebes-Projekt" von Lydia Netzer

@btb randomhouse.de


Titel: Das Liebes-Projekt

Autor: Netzer, Lydia

Verlag: btb Verlag

Preis: 9.99 Euro

Seiten: 416 Seiten



Worum es geht: 

Liebe unter Wissenschaftlern… George, ein verträumter Kosmologe, erforscht den Ursprung des Universums. Irene, die pragmatische Astrophysikerin, erschafft schwarze Löcher im Labor. Als beide sich am bekannten Institut für Astronomie in Toldeo begegnen, passiert es: Die Liebe schlägt ein wie ein Blitz und wirft beide aus ihrer Umlaufbahn. Irene und George scheinen wie füreinander geschaffen. Ein glücklicher Zufall? Daran glauben Astrophysiker prinzipiell nicht. Dann findet Irene auch noch heraus, dass ihre und Georges Mutter einander kannten und ganz eigene Pläne mit den beiden hatten… Steht ihre Liebe unter keinem guten Stern. Klappentext @randomhouse.de


Meine Meinung: 




»Warum verlieben sich manche Menschen ineinander und andere nicht? Was ist Liebe? Sie ist so, so, so lächerlich, bis es einen Selbst trifft. Dann ist sie das Wichtigste auf der Welt, ob man nun an sie glaubt oder nicht.«

Können Seelenpartner füreinander geschaffen werden? Kann man Liebe erzeugen, durch die richtigen Umstände? Zwei Freundinnen, Scheidungskinder, wollen es bei ihren Kindern nicht dem Zufall überlassen...





George glaubt. An alles. Götter, Magie, Seelenverwandte, Feen. Seit ihm ein Medium mitteilte, dass seine grosse Liebe, die Eine, als Astronomin in Toledo auf ihn treffen wird, verbingt er seine Zeit damit alle Frauen mit braunen Haaren ( noch ein Hinweis des Mediums ) am Toledo Institut der Astronomie als potentielle Freundin zu testen. Irene glaubt nicht. An nichts, ausser ihrer Theorie Schwarze Löscher auf der Erde zu finden. Als ihre Mutter bei einem Unfall stirbt, sieht sie sich gezwungen zurück nach Toledo zu fahren und bekommt dank ihrer Forschung sogar eine Stelle am Institut. Als beide aufeinander treffen, werden sie wie magnetisch voneinander angezogen. Schicksal? Für einander bestimmt? Oder einfach nur konditioniert?
Es wird schwierig das Buch zu Rezensieren ohne zu viele Spoiler, finde ich ja man sollte es lesen ohne irgendwelche Vorkenntnisse, um vollends überrascht zu werden! Ich hatte das Buch mit in Urlaub und in 2 Tagen fertig, und nein, es war kein "rumliegen am Strand"-Urlaub. 
Netzer spielt mit der Frage der Erziehung und wie weit man gehen kann um das Glück der Kinder sicher zu stellen. Thriller gleich, kommt das Buch daher, je tiefer der Leser in die Geheimnisse der Umstände eingeweiht wird. Netzer ist explizit, nichts wird ausgelassen. Liebe? Um die geht es herzlich wenig. Oder doch ausschliesslich? George gibt dem Buch was lockeres, erinnert an einen Labrador der geliebt werden will. Der glaubt und Halluzinationen von Göttern hat. Irene ist schwieriger zu mögen, aber erträglich. Die Mütter, und deren Hintergründe, bringen die Spannung und wissen den Leser zu fesseln. Liebe, um die geht es irgendwie dann doch immer wieder. Die Liebe von Bernice zu Sally, von den Müttern zu ihren Kindern, die Kinder zu ihren Eltern, zueinander. 

Neben Irene und George, amüsiert sich die Autorin mit einer Nebenhandlung, der Geschichte von Belion, Magier in einem Onlinegame, und seines Silvergirls. Fragt man sich erst, was das soll, fand ich schnell gefallen an dem Subplot und hätte gegen Ende fast lieber mehr über Belion erfahren als über Irene und George. 
Leider hat mich das Ende enttäuscht, da mir das angedeutete Ende besser gefallen hätte. Schade dass sich die Autorin nicht zu diesem Schritt getraut hat. 
Eine faszinierende Verwertung der Kindeserziehung und psychischen Manipulierung. Herumschwirrende Götter, ein Teeblätter lesendes Medium, Prophezeihungen... der Grad zwischen Fantastie und Realität ist schmal. Murakamisch eingebaut, ohne zu stören. Am Ende dann doch leider nur ein "Ja, war sehr nett" Buch. Empfehlen kann ich euch trotzdem allen, die mal eine bisschen andere Liebesgeschichte erleben wollen. Und sich für Astrologie und Astronomie interessieren. 





Danke an das Bloggerportal für die Verfügungstellung des Leseexemplars.



Freitag, 22. Juli 2016

Empfehlung zu "Die Oberfläche des Glücks" von Claire Kells


Titel: Die Oberfläche des Glücks

Autor: Kells, Claire

Verlag: LYX - Bastei Lübbe

Preis: 14.99.-

Seiten: 352 Seiten




Worum es geht: 

Seit dem Absturz gibt es für Avery nur eine Zeit davor und eine Zeit danach. Davor war sie eine der erfolgreichsten Wettkampfschwimmerinnen an ihrer Uni. Sie war beliebt und hatte einen Freund, der alles für sie getan hätte. Ihr Leben war einfach.



Jetzt, danach, ist alles anders. Avery schwimmt nicht mehr. Sie verkriecht sich im Haus ihrer Eltern, versucht zu verarbeiten, was geschehen ist. Sie denkt nicht an Colin, der neben ihr im Flugzeug saß und mit ihr überlebte. 
Avery und Colin sprechen nicht über das, was dazwischen geschehen ist. Als sie in der Wildnis gegen den Tod kämpften, wussten sie, was sie zu tun hatten. Doch nun ist ihnen klar, dass das Weiterleben nach dem Überleben manchmal die größere Herausforderung ist … - Klappentext @lübbe.de



Meine Meinung:


@Dana Vollmer
Oprah, ja Oprah, hat Girl Underwater (der englische Titel) in ihren Vorschlägen für "Books for a long weekend" aufgelistet und die englische Ausgabe hat seitdem darauf gewartet von mir gelesen zu werden. Erst nach ankündigen des Titels beim LYX Verlag, hat es das Buch wieder in mein Gedächtnis geschafft. Oprah sollte recht behalten. Ein kaltes Wochenende im Dezember war perfekt für dieses Buch. Der einfache und fliesende Schreibstil ließen mich das Buch in einem Atemzug verschlingen. Die Handlung spannend und tiefgehend genug um nicht nächste Woche vergessen zu sein. Im Gegenteil, Avery's Schicksal bleibt hängen, genauso wie die unzähligen Momente zwischen ihr und den drei Jungs, ihr und Colin, und ihr mit sich selbst, allein in ihrem Kopf ohne Aussicht auf Besserung.

Ich hab das Buch sogar mit im Fitnessstudio gehabt, konnte nicht pausen, hab auf dem Laufband gelesen, meinen Rekord gebrochen, so gefesselt war ich. Nach einer Stunde musste ich erst zu mir kommen, war ich nicht in den Rockys irgendwo verschollen, sondern am laufen. Das Buch erinnerte mich an "Survive - wenn der Schnee mein Herz berührt" bei INK erschienen, wobei die einzige Ähnlichkeit darin besteht, dass ein Junge und ein Mädchen einen Flugzeugabsturz überleben und danach versuchen gerettet zu werden.

Avery macht es dem Leser sehr leicht sie zu mögen. Durch die spannende Handlung wird allerdings auch nicht allzu viel Zeit auf Charaktere verschwendet, erst nach und nach kommen ein paar Züge zum Vorschein. Da ich kaum Erwartungen an das Buch hatte, ausser "haste schnell gelesen" war ich umso erstaunter wie berührend die Autorin mit Avery's Verlust, ihrer Unfähigkeit einfach weiterzumachen, wie alle es zu verlangen scheinen, beschrieb. Das psychologische Ausmaß der Erfahrungen werden nachvollziehbar aufgezeigt und lassen den Leser mitleiden. Obwohl man, dank der Aufteilung des Buches in abwechselnde Kapitel über das während des Unfalls und dem Danach, schon recht viel vom Ausgang erfährt, bleibt doch vieles für den Leser eine Überraschung.

Die Jungs ergeben einen dramatischen Pluspunkt. Vor allem Tim's Äußerungen berühren, egal ob beim Währenddessen oder im Danach. Dank der Jungs wird ausserdem, neben der romantischen Liebe, auch die freundschaftliche Liebe in den Vordergrund gerückt. Avery und Colin lieben diese Jungs, der Unfall hat eine Familie erschaffen, eine Liebe zueinander, die man nicht mehr verliert. Die Klischeeliebe die in einer Extremsituation entsteht wird hier zum Glück auch verworfen, beide kennen sich schon länger da sie im gleichen Schwimmteam sind.




Ein tief berührendes Jugendbuch, auch
für nicht mehr so jugendliche Leser geeignet!




“And he helped you do it?"
"No, sweetheart. He told me I could do it.”


Montag, 18. Juli 2016

Empfehlung zu "Red Rising" von Pierce Brown

@Heyne Verlag

Titel: Red Rising

Autor: Brown, Pierce

Verlag: Heyne Verlag

Preis: 12.99 EUR

Seiten: 576 Seiten





Worum es geht:
Der junge Darrow lebt in einer Welt, in der die Menschheit die Erde verlassen und die Planeten erobert hat. Bei der Besiedlung des Mars kommt ihm eine wichtige Aufgabe zu, das jedenfalls glaubt Darrow, der in den Minen im Untergrund schuftet, um eines Tages die Oberfläche des Mars bewohnbar zu machen. Doch dann erkennt er, dass er und seine Leidensgenossen von einer herrschenden Klasse ausgebeutet werden. Denn der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht lebt in luxuriösen Städten inmitten üppiger Parklandschaften. Sein tief verwurzelter Gerechtigkeitssinn lässt Darrow nur eine Wahl: sich gegen die Unterdrücker aufzulehnen. Dabei führt ihn sein Weg zunächst ins Zentrum der Macht. Der unerschrockene Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Denn um sie vernichtend schlagen zu können, muss er einer von ihnen werden … - Klappentext @Heyne Verlag

Meine Meinung:

Lange bin ich um die Serie herumgeschlichen. Erst beim Erscheinen der englischen Ausgabe des zweiten Bandes ist sie mir überhaupt ins Auge gesprungen und beim Hype um Band 3 so richtig aufgefallen. Hunger Games auf dem Mars, hieß es irgendwo. Braucht man das? Master of the Twist, las ich woanders. Aus Neugierde kann man ja mal reinlesen, sich den Stil anschauen... und schwups sind paar Stunden vergangen und man mittendrin ins Darrows Welt. Vieles kennt man, Pierce Brown erfindet das Rad nicht neu, aber weiß den Leser mit seinen Entscheidungen zu schockieren. Dieser Umstand macht die Geschichte spannend, und man beginnt jede Figur, selbst Darrow, zu hinterfragen.



halcyonmoments


“I live for the dream that my children will be born free. That they will be what they like. That they will own the land their father gave them.' 
'I live for you,' I say sadly. 

She kisses my cheek. 'Then you must live for more.” 






Ich hab das Buch auf Englisch gelesen, dementsprechend benutze ich die englischen Begriffe. Diese können sich von der deutschen Ausgabe entscheiden.

Mars ist besiedelt und unterteilt in Farbkasten: Golds sind wie Götter und leben in Luxus ( Hunger Games Diskrikt 1, you know ), Reds sind die niedrigsden, die Sklaven der Gesellschaft und Darrows Familie. Um das Institut zu infiltrieren, wie wir im Klappentext lernen, begibt sich Darrow einer Ummodellung und wird von Knochen auf neu erschaffen, zu einem Gold. Schmerzhaft wird er immer und immer wieder gebrochen, um als der stärkste von allen wieder empor zu steigen. Und Darrow schafft es als einer der Besten ins Institut, bereit skrupellos zu seinem Ziel zu gelangen. Das ist auch das Stichwort: Skrupellos. Brown ist kein Autor für schwache Mägen, wird hier explizit geschlachtet. Keiner ist sicher. Keinem kann man trauen.


bloodydammitdarrow.tumblr.com






“All wounds heal. Even these."
"That's a lie." I tell him.
I'll never be healed of Eo. That pain will last forever.

"Some things do not fade. Some things can never be made right.” 








Fühlt man sich zu Beginn noch entspannt, schließlich hat man ja schon so einige Dystopien gelesen und "weiß" was auf einen zu kommt, kriegt man vom Autor schnell eine reingehauen. "Nicht mit mir" scheint er zu sagen, und lacht dem Leser ins Gesicht. Jedes Gefühl von Sicherheit wird dem Leser genommen. Brown schafft es den Leser dazu zu kriegen diese fiktiven Figuren anzufeuern. Man liest schneller, um so schnell wie möglich zu wissen, dass es allen gut geht, dass man ( und seine Lieblingsfigur ) in Sicherheit ist.

Die Figuren sind das Herzstück des Buches, da die Handlung recht einfach gehalten ist. Es ist ein Einstiegsbuch in die Serie, der Aufbau der Welt, der Hauptfigur und seine Entwicklung, damit die Handlung in Band zwei und drei so richtig losgehen kann. Darrow wird zum Gold verwandelt und muss sich in der neuen Welt einpassen, trifft Freunde und lernt. Die Nebenfiguren sind so vielseitig wie Darrow und lässt auch diese lebendig wirken. Jeder hat eine tiefgehende Motivation, eine Geschichte und in einer Welt dominiert von Farben, gibt es hier kein Schwarz oder Weiß, kein Gut oder Böse. It's complicated.

Darrow ist leider als Held recht... langweilig. Alles ist super, er hat überhaupt keine Probleme sich anzupassen und als Anführer angesehen zu werden. Ich hätte gerne gesehen, dass er mehr damit hadert als Gold herumzulaufen. Auch kam teilweise das Gefühl auf, dass der Autor sich beeilt. Eigentlich will er Band 1 so schnell wie möglich hinter sich bringen um an den Speck zu kommen, die RICHTIGE Handlung, die in den späteren Bänden auf uns wartet. Vor allem am Schluss wurde es offensichtlich. Ein großer Teil der Handlung richtet sich darauf dass es den Jackal im Spiel gibt, Darrows Kontrahent, und er plant einen langen Schachzug um diesen Anzugreifen und zu Fall bringen zu können, nur um diese Handlung auf gefühlt 3 Seiten zu beenden.


Red Rising Wiki
Beginnt das Buch außerdem mit einer politischen Aussage, verliert man rasch den Blick darauf, wenn es Darrow nur noch darum geht als Primus die Schule zu beenden.

So genug Kritik; trotz allem, das Buch ist eine sehr ans Herz gelegte Empfehlung meinerseits. Ich wollte zwischenzeitlich andere Bücher lesen aber bin gedanklich immer wieder zu Darrows Geschichte abgeschweift und werde mir schnellstmöglich Band 2 reinziehen!


“Look into yourself, Darrow, and you’ll
realize that you are a good man who will have to do bad things."....
“See. That’s what I don’t get. If I am a good man, then why do I want to do bad things?” 

Freitag, 1. Juli 2016

Empfehlung zu "Die Punkte nach dem Schlussstrich" von Laura Lackmann

Autor: Lackmann, Laura

Titel: Die Punkte nach dem Schlussstrich

Verlag: Ullstein Buchverlage

Preis: 14.99.-

Seiten: 320 Seiten




Worum es geht: 

Liebeskummer ist wie Igel essen

Ich wollte Apollo unbedingt lieben. „Ich liebe dich.“ Apollo sagte nichts. Nur ein leises, zartes Männerseufzen, das mich wie ein Soundtrack durch mein ganzes Leben begleiten würde. Plötzlich fing es in meinem Bauch an zu flattern. Keine Schmetterlinge, sondern Motten. Giftige, riesige Motten taumelten kopflos in meinem Magen. Solche, die mit ihrem Urin Löcher in Autolack brennen. Weil ich den Unterschied zwischen Motten und Schmetterlingen im Bauch nicht kannte, hielt ich diese Angst aus Versehen für die echte große Liebe. Für die Berufsfreundin Luzy sind Männer der Mittelpunkt ihrer Welt. Auch wenn es ihr gar nicht passt: Sie kann nicht alleine sein. Also, in einem Raum geht das schon, aber ohne einen Freund im Leben wird es schwierig. Bislang konnte Luzy sich immer retten. Wenn das Beziehungsende nahte, suchte sie sich rechtzeitig den Nächsten. Apollo, Peter, Jonas. Von einem zum anderen wie der Affe im Dschungel. Sie investiert all ihre Energie in den Erhalt der oft nicht einfachen Beziehungen mit Männern, die sich so flüchtig verhalten wie Edelgase. Aber plötzlich geht etwas schief, und Luzys Putzerfisch-Verhalten kann ihre Trennungsangst nicht mehr kaschieren. Sie flippt aus. Im Streit bricht sie Jonas den Arm und muss fortan 100 Meter Abstand zu ihm wahren. Mit Liebeskummer im Herzen und einem Entfernungsmesser in der Hand stellt sie fest, dass sich etwas ändern muss, denn von aufrichtiger Liebe versteht sie nichts. -@Ullstein Buchverlage




"Um interessant zu bleiben, musste ich mir was ausdenken. Etwas Spannendes, Aufregendes, Dramatisches, Neues, das in Apollos Welt passte und uns beide einander näherbrachte. 


Also wurde ich heroinsüchtig." 




Meine Meinung: 

Gestörtes Elternhaus, gestörte Freundschaft mit der "besten Freundin", gestörte Beziehungen, gestörte Luzy?

Als Luzy ihrem Freund Jonas "aus Versehen" den Arm bricht wegen eines Strauss Blumen, ist sie mit der sofortigen Trennung seinerseits ein wenig überrumpelt. Nach der Verhaftung und dem Bescheid sich bis auf 200 Meter nicht mehr nähern zu dürfen ist Luzy zum ersten Mal in 15 Jahren Single, und Lebensunfähig. Als Berufsfreundin war sie bisher noch nie in der Situation sich um sich selbst zu kümmern. Mit dem Gedanken, dass Jonas sie ja sicherlich demnächst zurückholen wird, beginnt sich Luzy auf eine Reise in die Vergangenheit und reflektiert ihre Handlungen. Eine Frau die ihre ganze Energie darauf fokussiert hat geliebt zu werden, auf dem Weg sich selbst zu finden.




"Liebst du mich jetzt?", fragt eich so nebenbei wie möglich, um den Stand der Dinge herauszufinden. 

"Das kann ich nicht sagen." 
"Aber du kennst mich doch jetzt."
"Ich kenn mich ja selbst nicht."

Sätze, die einen wie Schläge auf die Nieren einfach ausschalten."




In Rückblenden durchwandert der Leser die Beziehungen Luzy's, und beide müssen leiden. Der ruppige, offenen Ton weiß stellenweise zu irritieren. Soll ich jetzt lachen oder weinen? In Luzys Gedanken fühlt man sich nicht wohl und doch ist es heimisch, hab ich mich persönlich in vielem wiedererkannt. Sie ist Schauspielerin, nur da um ihren Männern zu gefallen, sich anzupassen. Niemals lässt sie jemanden ihr wahres Ich sehen, sie will ja schließlich geliebt werden. Dass sie nicht weiß wer sie eigentlich ist und was sie eigentlich mag, stellt ein weiteres Problem dar. Ihr Reichtum hilft ihr sich komplett auf ihren Partner einzustellen. Als Sie ihren Vater fragte was sie mit ihrem Leben machen solle, jetzt nach dem Abitur, "Der Mensch brauch doch eine Aufgabe", meinte der nur zu ihr, es mache alles sowieso keinen Unterschied, da könne sie sich doch auch einfach entspannen.

Die Hilflosigkeit treibt sie von einem Verderbnis ins andere. Sie handelt nach dem einzigen Prinzip das sie kennt; es anderen Recht machen. So findet sie sich in Abstrusen, ungesunden Situationen wieder, die den Leser zwar fesseln, aber auch Abschrecken. Der Grad zwischen Mitleid und Frust ist beim Lesen sehr schmal.


Ungesundes Verhalten, nicht aufgearbeitete emotionale Probleme, Abhängigkeit und die konstante Suche nach Liebe haben dieses Buch zum meinem bisherigen Highlight 2016 gemacht.