Montag, 20. Juni 2016

Empfehlung zu "Als die Sonne im Meer verschwand" von Susan Abulhawa


Titel: Als die Sonne im Meer verschwand

Autor: Abulhawa, Susan


Preis: 19.99.- , TB ab Oktober 2016: 9.99.-

Seiten: 384 Seiten

Worum es geht:

In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören.


Meine Meinung:

Das Leseexemplar, bereitgestellt vom Bloggerportal, lag schon ziemlich lange auf meinem SuB als ich es endlich zu lesen begann. Nicht aus fehlender Motivation oder Desinteresse. Ich bin Mitglied eines Internationalen Buchclubs und ich wollte genau dieses Buch im Buchclub lesen. Nun haben die Umstände des Clubs leider dafür gesorgt dass das Buch fast ein Jahr warten musste, gelesen zu werden. Meine Geduld sollte sich auszahlen: Der Buchclub war sich einstimmig einig, dass "Als die Sonne im Meer verschwand" das bisher Beste gelesene Buch ist. Und wir haben schon einige gelesen.



"Als die Sonne im Meer verschwand" ist mein erstes Buch der Autorin, wird aber definitiv nicht das Letzte bleiben. Die Geschichte erinnert an ein Märchen, welches sich schnell zum Alptraum entwickelt. Man fühlt sich als könne man den glücklichen Momenten zu keinem Zeitpunkt über den Weg trauen. So hart die Handlung auch wird, der Ton bleibt zuversichtlich, die Hoffnung bleibt und reisst den Leser mit.
Die Familiengeschichte die sich über mehrere Generationen erstreckt, erlebt einen Schicksalsschlag nach dem Anderen. Alles in der Kulisse Gaza's und ein winziger Teil in Amerika, aber auch nicht friedlicher. Neben Dschinns, Prophezeiungen, Eheschließungen und Sterbefällen, kriegen wir auch Aufstände in den Camps und Überlebenskampf. Politisch wird hier ein wenig enttäuscht, auch wenn man einen schönen Einblick in das muslimische Leben bekommt. Hauptfokus ist die Beziehungen zwischen den Frauen. Die mütterliche Liebe, die Schwesterliche, die Freundschaftliche, hier kommen alle Varianten zum Scheinen. Menschen werden durch mehr als Blut verbunden, was Nur und die spätere Beziehung zu ihrer Sozialhelferin, oder die Imkerwitwe und ihre spätere geschwisterliche Liebe zu Nazmiyya dem Leser deutlich zeigen.
Das Drama innerhalb der Familien über mehrere Generationen hinweg, sowie der Schreibstil, erinnerte mich Stellenweise an Lucinda Riley. Mit stellenweise unpassend eingefügten Gesprächen über Sex, hauptsächlich eingeleitet durch Nazmiyya, hatte ich ebenfalls das Gefühl die Autorin wolle etwas beweisen. Wie cool und hip auch Omas im Gaza sein können?! Teilweise fand ich diese Abschnitte recht unpassend.

Der Klappentext liess für mich auf große Liebesgeschichte schließen, welche allerdings nie im Vordergrund steht. Tatsächlich ist der Klappentext reichlich irreführend was den Inhalt des Buches betrifft und sollte wen möglich ignoriert werden. Die Familienzusammenführung der amerikanischen Nur mit ihrer Familie in Gaza steht im Mittelpunkt, mit der Hoffnung des Lesers, dass sich nun aller Leben bessert. Jede Figur hat mehrere Namen mit der sie angesprochen wird, ein Umstand, der es manchmal nicht leicht macht der Handlung zu folgen.

Ein schöner, und manchmal harter, Ausflug in eine andere Kultur!

Dienstag, 14. Juni 2016

Empfehlung zu "Mein Name ist Leon" von De Waal, Kit

Autor: De Waal, Kit

Titel: Mein Name ist Leon 


VerlagRowohlt Polaris


Preis: 14.99.-


Seiten: 320 Seiten


Worum es geht:


Leon ist neun und ziemlich dunkelhäutig, sein Halbbruder Jake dagegen ganz blond und erst sechs Monate alt. Als ihre Mutter Carol mal wieder richtig Pech mit einem Kerl hat, bleibt sie einfach im Bett liegen. Und Leon muss sich um Jake kümmern, ihn wickeln, etwas zu Essen besorgen.


Das fliegt natürlich irgendwann auf, das Sozialamt schaltet sich ein. Es bringt die beiden Jungs erst einmal bei Pflegemutter Maureen unter: übergewichtig, rothaarig, etwas nah am Wasser gebaut - man muss sie schon ein bisschen kennenlernen, um zu merken, was für ein riesengroßes Herz Maureen hat. Bald findet sich auch eine richtige Adoptivfamilie. Allerdings nur für Jake, denn der ist ja klein und blond. Leon weiß nicht mehr ein und aus vor Schmerz. Und er fasst einen Plan. Einen gefährlichen Plan, in diesem heißen Londoner Sommer 1981 … - Klappentext von Rowohlt.de



ajc.com James Dukes and brother








“Leon opens the door wide. They all look at him. Social workers have two pretend faces, pretend Happy and Pretend Sad. They’re not supposed to get angry so they make angry into sad. This time they’re pretending to care about him and Jake and his mum.”









Meine Meinung:

Ganz klein ist unser Leon auf dem Cover mit seinem heißgeliebten BMX, winzig im Vergleich zu der großen schwarzen Wolke über ihm, ein Indiz für alles was noch auf den Leser zukommt. Leon hat es nicht leicht, nachdem er schon durch mehrere Pflegefamilien gereicht wurde. Endlich wieder mit seiner Mutter und neugeborenem Bruder vereint, versucht er alles seine Familie zu retten. Ein Kind, dass Umständehalber viel zu schnell erwachsen werden musste, kämpft und doch alles verliert.

Kit de Waal weiss herzzerbrechend darüber zu schreiben wie Hoffnungslos das Leben eines Kindes aussehen kann, wie unverstanden sie sich fühlen. Leon versucht sich Gehör zu verschaffen und rennt doch immer wieder gegen Wände. "Später" - das Lieblingswort der Erwachsenen wie es scheint. Während in England schwere Unruhen herrschen und die Farbigen für ihre Rechte kämpfen, versucht auch Leon seinen Platz zu finden, dabei immer die Wiedervereinigung mit seinem Bruder vor Augen.




http://krowiegary.blogspot.lu/ lucyndskywdmnds
Maureen ist ein Lichtblick im Buch, doch Vertrauen hatte ich in diese Figur auch nicht. Schnell wird klar dass die Autorin den Leser leiden lassen will, und somit Leon. Leon leidet. Der Satz wäre als Synopsis ausreichend. Ein Kind das gewohnt ist sich um seine Mutter und Bruder zu kümmern wird isoliert und im Dunkeln gelassen. Wo ist meine Mutter? Wo mein Bruder? Wann ist 

"später", dem Zeitpunkt an dem versprochen wurde, dass er beide wiedersehen wird?! Wo sind die Grenzen beim Schmerz?


Obwohl vom Stil leichter gehalten, erinnerte mich das Buch stellenweise an "Steine im Bauch" von Jon Bauer. Dies ist ein Kompliment.


Eine Achterbahnfahrt der Gefühle garantiert.


- Netgalley hat mir ein Rezensionsexemplar auf Englisch zur Verfügung gestellt. Herzlich Dank an dieser Stelle!