Donnerstag, 17. März 2016

Empfehlung zu "Kirschblüten und rote Bohnen" von Durian Sukegawa

Kirschblüten und rote BohnenTitel: Kirschblüten und rote Bohnen
Autor: Sukegawa, Durian
Seiten: 256 Seiten
Preis: 18.00 Euro

Worum es geht: 
Sentaro ist gescheitert: Er ist vorbestraft, er trinkt zu viel, und sein Traum, Schriftsteller zu werden, ist unerfüllt geblieben. Stattdessen arbeitet er in einem Imbiss, der Dorayaki verkauft: Pfannkuchen, die mit einem süßen Mus aus roten Bohnen gefüllt sind. Tag für Tag steht er in dem Laden mit dem Kirschbaum vor der Tür und bestreicht lustlos Gebäck mit Fertigpaste. Bis irgendwann die alte Tokue den Laden betritt. Die weise, aber sichtlich vom Leben gezeichnete Frau kocht die beste Bohnenpaste, die man sich nur denken kann. Auch deshalb verändert die Begegnung mit ihr alles, denn Tokue lehrt Sentaro ihre Kunst. Wenig später wird Wakana, ein Mädchen aus schwierigen Verhältnissen, zur Stammkundin des Imbisses und schließt Freundschaft mit Tokue und Sentaro. Doch die Welt meint es nicht gut mit den dreien …

›Kirschblüten und rote Bohnen‹ ist die Geschichte einer besonderen Freundschaft – melancholisch, ohne sentimental zu werden, berührend, ohne kitschig zu sein – und ein zärtlicher Roman, der uns im Glauben an die kleinen Dinge des Lebens bestärkt.
-Dumont Buchverlag
Meine Meinung: 
Das weiss-rosa gebundene Büchlein liegt wie der Schatz in der Hand, der es ist. Man ist dankbar für die passende Aufmachung, hat das Buch jedmögliche Schönheit verdient. Die ruhige Geschichte um Freundschaft, Selbstfindung und das Einstehen für was man glaubt, weiss von der ersten Seite an zu begeistern. Hunger bekommt man. Hunger auf die wohlig mundfüllenden Dorayaki. Nur ein paar Zeilen von Sukegawa brachte mich zurück nach Tokyo, das laute Zirpen der Grillen im Ueno Park, der Geruch von Essen in der Luft, das Lachen der Schülerinnen. Hatte ich erst Angst dass das Buch sich ausschliesslich um Sentaros Schicksal drehen würde, erfreute mich die Tatsache dass wir hier die Lebensgeschichte Tokues erzählt bekommen. Die Vorurteile die auch heute noch in Japan herrschen, gegenüber Tokue und wie sie ihr Leben mit, und nach, ihrer Lepraerkrankung leben musste. Eine Krankheit über die ich wenig bis gar nicht informiert war. Eine Geschichte, nicht nur für Fans von japanischer Literatur, sondern alle, die sich für Schicksale aller Art interessieren. Wundervoll geschrieben; Ich will mehr von Sukegawa!
Der Film zum Buch läuft ab März in deutschen Kinos und wird ab Juni auf DVD und BLU-RAY erhältlich sein. 

Mittwoch, 9. März 2016

Empfehlung zu "Mr. Gwyn" von Alessandro Baricco

@Hoffmann und Campe.de
Titel: Mr. Gwyn
Autor: Baricco, Alessandro
Verlag: hoffmann-und-campe.de
Seiten: 320 Seiten
Preis: 22.00 EUR

Die Gerüche im Atelier, der Staub, der sich auf jeden Gegenstand legte, der Schmutz, dem niemand Widerstand entgegensetzte all das vermittelte den Eindruck eines langsam atmenden Tiers im Winterschlaf, das für den Rest der Welt gestorben war. Der Dame mit der Regenhaube, die wisse wollte, wie es lief, erklärte Jasper Gwyn sogar, dass all das etwas Hypnotisches hatte, ähnlich der Wirkung von Drogen.

Worum es geht:

Jasper Gwyn, ein berühmter englischer Schriftsteller Anfang vierzig, fasst eines Tages einen weitreichenden Entschluss. In einem Zeitungsartikel listet er 52 Dinge auf, die er fortan nicht mehr zu tun gedenkt, darunter auch: Bücher schreiben. Stattdessen beschließt er, in seinem neuen Leben als "Kopist" zu arbeiten und Porträts anzufertigen - dies allerdings nicht mit Pinsel und Palette, sondern in geschriebener Form. Er mietet ein Atelier an, wo ihm fortan Menschen Modell sitzen, die sich später in seinen Porträts gänzlich wiederfinden werden. Bis eine junge Frau auftaucht, die sich den strengen Regeln des Kopisten entzieht.

- hoffmann-und-campe.de

Meine Meinung:

Jasper Gwyn wird nie mehr einen Roman schreiben, doch schreiben muss er weiterhin, wie er schnell merkt. Das Porträt eines Künstlers der sich seiner Kunst nicht entziehen kann, sosehr er es sich auch wünscht. Man fühlt sich als lese man einen Traum. Manches hat sehr scharfe Konturen, das meiste bleibt undefiniert im Hintergrund, das Gefühl eines Umrisses. Gefestigt wirkt nur das Atelier, bis ins kleinste Detail perfekt, eine Genugtuung für den Leser. Man fühlt sich zeitweise wie ein Voyeur, der ins Atelier, ins Leben und die Arbeit von Gwyn reinlinst und etwas beobachtet was nicht für ihn bestimmt war. Sinnlichkeit durchflutend die Zeilen auf dem Papier, ein Hauch Magie in der poetischen Geschichte.

Gwyn muss erst rausfinden wie er ein Porträt schreiben soll und nutzt die Praktikantin seiner Agenten als Versuchskaninchen. Die Füllige Rebecca soll ungefähr 30 Tage lang jeweils 4 Stunden nackt in seinem Atelier sein, er wird sie beobachten und dann ihr Porträt anfertigen. Die vollkommene Darstellung ihres Seins. Nach dieser Erfahrung nimmt er Kunden an für die er geschriebene Porträts anfertigt, eine skurrile Ansammlung an Menschen, die sich beobachten lassen. Kritisieren kann man Stellenweise das offensichtliche Bemühen des Autors etwas Besonderes zu schreiben, der krampfhafte Versuch die richtigen Wörter zu finden. Wer sich aber auf die Geschichte einlässt, sich einfangen lässt, hat die Möglichkeit in eine andere Welt zu entfliehen.

"Jasper Gwyn hat mir beigebracht, dass wir keine Figuren sind, sondern Geschichten. Wir begnügten uns immer mit der Vorstellung, eine Figur in wer weiß welcher Abenteuergeschichte zu sein, auch in einer ganz simplen, aber wir müssten einsehen, sagt er, dass wir die ganze Geschichte sind, nicht nur diese eine Figur. Wir sind der Wald, durch den sie wandert, der Bösewicht, der sie reinlegt, das Durcheinander um sie herum, wir sind alle Leute die vorbeigehen, die Farben von Dinge, die Geräusche."