Samstag, 27. Februar 2016

Empfehlung zu "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells

Titel: Vom Ende der Einsamkeit

Autor: Wells, Benedict

Verlag: Diogenes

Preis: 22.00 Euro

Seiten: 368 Seiten


"Das hier ist alles wie eine Saat. Das Internat, die Schule, was mit meinen Eltern passiert ist. Das alles wird in mir gesät, aber ich kann nicht sehen, was es ausmir macht. Erst wenn ich ein Erwachsener bin, kommt die Ernste, und dann ist es zu spät."

Worum es geht:

Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.

- Diogenes.ch

Meine Meinung:

Benedict Wells ist ein Name der für gute Geschichten steht, nicht ohne Grund ein Ausnahmetalent. Alle schwärmen, bereits Wochen vor Erscheinen, von dem neuen Titel, der 4 Jahre auf sich warten ließ Ein Umstand den ich befürworte, zeigt es dass er sich Zeit gelassen hat und nicht einfach irgendetwas veröffentlichen will. Er selbst sagt zum "Ende der Einsamkeit", dass es sein wichtigstes Buch sei. Ich habe alle Bücher des Autors gelesen. Wells liest sich gut, in einem angenehmen Rutsch und baut genug Spannung auf dass man motiviert bleibt. Anders als meine Kollegen finde ich die Bücher allerdings nicht "überragend" oder "das Beste das ich je gelesen habe". Mir fehlt immer etwas. Eine Bindung zu dem Ganzen, den Figuren. Die Handlung ist solide und der Stil angenehm, man kann ehrlich nichts bemängeln. Dennoch fällt es mir schwer das Buch in den Himmel zu loben. Ich mochte es sehr, hab das Lesen genossen und ein paar nette Zitate gefunden, aber auch nicht mehr.

Hauptbestandteil des Buches ist die Liebe. Zu den verstorbenen Eltern, den Geschwistern, den Partnern. Jules nimmt sich den Ratschlag seines Vaters, einen Freund fürs Leben zu haben ist das wichtigste, zu Herzen und liebt seine Alva sein ganzes Leben lang, ist sie immerhin sein bester Freund. Die Beziehung wurde für meinen Geschmack äußerst feinfühlig aufgebaut, leider fehlte mir gegen Ende Alvas Gefühle für Jules. Dass sie ihn liebt habe ich leider nie empfunden.

Die Familiengeschichte, mit Jules im Mittelpunkt, bringt dem Leser ein authentisches Bild von zerstörter Familie näher. Liz als Figur war recht interessant und tatsächlich mal erfrischend. Auch ihre Beziehung zu Marty's bestem Freund war eine Entwicklung die ich begrüßte Ebenso Marty's Entwicklung, war ich genug interessiert an der Geschichte, dass ich Jules nicht allein wissen wollte. Alles in allem wirkten die Beziehungen real, lässt vermuten dass Wells genau weiss wovon er schreibt.

Das Thema der Trauerbewältigung fand ich sehr nachvollziehbar behandelt, sowie die psychologischen Auswirkungen, die der Verlust der Eltern mit sich zieht. Der Leser begleitet Jules und seine Geschwister den großteils deren Lebens. Beginnt das Buch mit einem 10-Jährigen Jules, nehmen wir Abschied von einem Mittvierziger Mann, der auf die harte Tour lernen musste, Glück zu finden. Alles im allem ein rundes Ding, in meinen Augen.

"Jules, du siehst immer jemanden in mir den ich nicht bin." - "nein andersrum. Du bist jemand, den dunicht siehst." 

Freitag, 12. Februar 2016

Empfehlung zu "180 grad Meer" von Sarah Kuttner

Titel: 180 Grad Meer
Autor: Kuttner, Sarah
Preis: 18.99.-
Seiten: 272 Seiten

Worum es geht:
Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.
Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat.
Eine tragikomische Road-Novel über das komplizierte Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch, Urlaub von sich selber machen zu können.  - Klappentext @Fischer Verlag


"Ich möchte keinen Frieden machen. Nicht mit Monica, nicht mit Michael, nicht mit mir. Ich brauche diese Wut. Sie hält mich am Leben, ohne sie wäre alles umsonst gewesen."



Meine Meinung:
Ich trau mich gar nicht eine Empfehlung zu schreiben, egal was jetzt kommt, es ist bei weitem nicht eloquent genug um das Buch angemessen anzupreisen.
Nach der Klappentextlektüre hatte ich zugegebenermaßen keinen Drang ein das neueste Werk Kuttners zu lesen, obwohl ich die Vorgänger ebenfalls mochte. Erst der Aufschrei der Begeisterung in der Buchbloggercommunity ließ meinen Blick immer öfter Richtung 180Grad Meer lenken. Nach dem gefühlten 1000sten "Das Buch ist so toll" hab ich es mir dann spontan gekrallt und ja, in ungefähr 6 Stunden inhaliert.
Jule wird als Antiheld dem Leser nicht gerade leicht serviert und dennoch fand ich keinerlei Probleme die Figur zu mögen, zu keinem Zeitpunkt war ich von ihr genervt, erstaunlich, bin ich das doch recht schnell. Das richtige Buch zur richtigen Zeit, würd ich meinen.


"Ich weiß, dass Tim leidet. Unter mir und der Situation, aber ich kann auch sehen, wie reizvoll die ganzen losen Enden meiner Persönlichkeit für Tim sind. Er möchte sie zusammenführen, Sinn ergeben. Ich möchte das gern nicht."


Handlung gibt es nicht allzu viel und ist auch nicht der Punkt dieser Selbstanalyse und -findung einer kaputten Frau. Wer damit, und mit ausgiebigen Metaphern des sich im Kreis drehenden Themas Probleme hat, wird wohl keine Freude mit dem Buch haben. Mir hat es zurzeit zugesagt und ich empfand Kuttner als unaufdringlich in ihrem Bestreben dem Leser Verständnis für Jule abzuverlangen. Für mich ging es im ein Gefühl, einen Zustand, und ich fand die Autorin hat durchaus Talent im Aufbau derer. Schöne melancholische Unterhaltung im Grauton, vor der Kulisse Südenglands.

"Wie geht's dir?"
Ich überlege und stelle fest "Ich weiß es nicht"
[...] "Du musst doch wissen, wie es dir geht?"
"Muss ich?"
"Jule..."
"O.k. Ich bin erschöpft. Ich fühle mich diffus traurig und überfordert. Als würde ich von imaginären Massen bedrängt und gleichzeitig fühle ich mich merkwürdig zurückgelassen. Ich habe außerdem ein permanentes Bedürfnis nach Meer."
Jacob lacht und sagt: "Na, das ist doch eine ganze Menge." "Ich könnte mit weniger Menge leben."

Freitag, 5. Februar 2016

Empfehlung zu "Es muss wohl an dir liegen" von Mhairi Mcfarlane

Titel: Es muss wohl an dir liegen
Autor:  Mcfarlane, Mhairi
Verlag: Droemer - Knaur
Seiten: 512 Seiten
Preis: 10.99.-

Worum es geht:
Wie viele Schmetterlinge passen in einen Bauch? 

Mit ihren tizianroten Haaren und ihren Kurven ist Delia vielleicht nicht ganz der Model-Typ, aber dass Paul sie nach zehn Jahren gemeinsamen Glücks mit einer Studentin betrügt, trifft sie ziemlich unvorbereitet. Am Anfang glaubt sie, alles sei ihre Schuld. Doch dann erkennt Delia, dass die zerplatzten Seifenblasen von gestern die Chance auf das Glück von morgen bedeuten: Denn nun kann sie selbst entscheiden, wie sie die bunten Puzzleteile ihres Lebens neu zusammensetzt. Kurzerhand zieht sie zu ihrer besten Freundin Emma nach London und sucht sich einen neuen Job. Alles könnte gut werden. Wäre da nicht Adam, ein Skandalreporter und der härteste Konkurrent ihres neuen Arbeitgebers - denn er bringt die Schmetterlinge in Delias Bauch plötzlich kräftig in Wallung. Und zu allem Übel setzt Paul wieder alle Hebel in Bewegung, um Delia zurückzugewinnen. - Klappentext Droemer-Knaur.de

Meine Meinung:

Für dieses Buch muss man ein gewisses Alter haben, finde ich. Als Teenager hätte es mir wohl nicht gefallen, hätte es als dramatisch abgetan. Überlegt sie jetzt ernsthaft bei dem Fremdgeher zu bleiben, weil sie 33 ist und vielleicht keinen Anderen mehr findet um Kinder zu kriegen? Wie kann man sich selbst sowas antun? Nicht vergessen, hätte ich als Teenager gedacht!

“I saw the love of my life about to walk out and I thought complete honesty would mean losing you forever. It’s taken me until now to see that complete honesty was my only hope.”

Mittlerweile selbst kurz vor der großen 3, konnte ich bei Delias Überlegungen öfter verständnisvoll Nicken. Ich habe mich dabei erwischt zu denken "Er will sie ja nicht verlassen. Er will ja bleiben und würde sie auch Heiraten." Mit denselben Ängsten geplagt kann man darüber hinweg sehen, dass Paul sie betrogen hat. Wie viel Wahl hat man den als Frau in den Dreißigern die Familie will? Eine düstere Frage der man lieber kaum Gedanken widmen will und doch erwischt man sich Nachts vorm Einschlafen genau dabei. Eben dieser Frage geht McFarlane nach und ruft den Mittdreißiger Frauen zu: "Keine Angst!" In ihrem bekannt lässigen Humor wird Mhairi zur besten Freundin des Lesers, Delia und Emma zum Leitmotiv, die aussprechen woran Frau nicht denken will. Emma echauffiert sich einmal herrlich über eine Moderatorin die daran erinnert hat, dass eine Frau nach 35 an Fruchtbarkeit verliert und man am besten davor noch schnell Schwanger wird.

"Ach das hätte ich jetzt FAST VERGESSEN! Danke! Ich geh schnell den potentiellen Vater im Pub abholen, den hab ich mit meinen Schirm dort vergessen!"

Mhairi McFarlane erklärte, sie wolle einen Roman darüber schreiben wie eine gute Beziehung durch einen Fehler kaputt geht, dass auch gute Menschen, in diesem Fall Paul, Fehler machen können. Leider wurde mir Paul zu keinem Moment sympathisch, sodass ich es zu keinem Zeitpunkt als Schade empfand, dass die gleich zu Beginn des Buches erstmal getrennte Wege gehen. Durch Delias Überlegungen wurde mir schnell klar, dass Paul gar kein Interesse an der Beziehung zeigt und wirklich angestrengt, dass sie bleibt, hat er sich zu beginn auch nicht. Ich dachte mir hauptsächlich, wie man im Englischen so schön sagt: "Good riddance". Adam unterstreicht das mit seinem "War ja auch sicherlich nicht das erste Mal, weiß er doch, dass DU niemals gehen wirst". Na ob er da so sicher sein kann? Adams Wandel im Laufe der Handlung gefiel mir leider auch nicht sonderlich. Das ist dann leider doch eine sehr große Wendung für einen Zeitraum von 3 Monate.

Delia's Naivität und Gutgläubigkeit kommt ihr öfters in die Quere, zum Glück ist sie anziehend genug dass Männer Mitleid haben und dann doch noch nett werden. Irgendwie. So ein bisschen. Die Eigenschaften lassen Delia sehr sympathisch rüber kommen, man will weiterlesen. Leider fehlt dadurch ein wenig an Substanz. Mal abgesehen von den paar Pfunden zu viel scheint sie ein perfekter Mensch zu sein. Da haben die Nebenfiguren besser abgeschnitten. Wie Delia einmal selbst sagt, Kurt ist nur gut oder böse. Das gleiche gilt für Adam, Paul und natürlich Steph und Emma. Es gibt kein Schwarz/weiss denken.

Die Freundschaften spielen in dieser Geschichte auch eine wichtige Rolle. Delias Freundschaft zu Emma, ohne die sie nicht hätte nach London ziehen können. Gleich zu Beginn wird eine Freundschaft mit dem Naan groß aufgebauscht. Seitenweise kriegen wir gezeigt wie Delia diese Internetbekanntschaft hegt und pflegt. Außerdem nutzt Delia Naan ordentlich aus. Jedes mal, wenn ein IT Problem besteht darf er ran. Ich bestreite gar nicht dass die beide gute Freunde geworden sind, leider wird der Naan ab der Mitte fast 200 Seiten lang nicht mehr erwähnt, nur um dann am Schluss nochmal der Retter in Not zu sein. Ein Detail, sicherlich, aber ich hätte gerne auch in der Mitte was vom Naan gehabt.


Also Freundschaft, auf eigenen Beinen stehen, seine Träume erfülle und natürlich die Liebe spielen hier wiedermal schön zusammen. Mhairis Humor, den ich nicht oft genug erwähnen kann, ist immer wieder ein Highlight für mich. Empfehlenswert!