Sonntag, 4. Januar 2015

Empfehlung zu "Steine im Bauch" von Jon Bauer


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Titel: Steine im Bauch

Autor: Bauer, Jon

Verlag: Kiwi Verlag

Seiten: 368 Seiten

Preis: 19,99.-


Worum es geht:

Die Mutter des Ich-Erzählers nimmt immer wieder Pflegejungen auf, obwohl ihr eifersüchtiger Sohn, ein Einzelkind, furchtbar darunter leidet. Als der verschlossene Robert in die Familie kommt, der vermeintlich perfekt ist und Liebling der Mutter wird, nimmt die Eifersucht obsessive Züge an.
Der 28-jährige Ich-Erzähler kehrt in das Haus seiner Kindheit zurück, weil seine Mutter schwer erkrankt ist. Als kleiner Junge litt er darunter, dass die Pflegejungen, die die Mutter aufnahm, immer den Vorzug bekamen und sie seine hilflosen Schreie nach Liebe missverstand oder ignorierte. Der Pflegejunge Robert brachte schließlich das Fass zum Überlaufen – mit Folgen, die noch in der Gegenwart sichtbar sind. Weder Mutter noch Sohn haben jemals wieder über die Ereignisse gesprochen, und nun, da sich die Machtverhältnisse aufgrund der Krankheit der Mutter umkehren, nimmt der Sohn auf subtile Weise Rache…
»Steine im Bauch« zeigt mit unbarmherziger Präzision, wie Verletzungen, die man in der Kindheit erleidet, im Erwachsenen nachwirken. Ein Buch, das atemlos spannend und bisweilen schmerzhaft die Hilflosigkeit eines Kindes nachzeichnet.
»Steine im Bauch« wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und von Presse und Leserschaft begeistert aufgenommen. - Kiwi Verlag



“Es kommt nicht darauf an, wohin man geht oder was man mit seinen Gefühlen macht, die Wahrheit lauert einem doch immer wieder auf. Meine Kindheit lauert in mir, wie geballte Fäuste in meinen Händen lauern.”






Meine Meinung:

Die zerstörerische Kraft der Eifersucht.
Jon Bauer, der eigentlich recht nett wirkt, schafft es hier, den Alptraum eines jeden Kindes wahrhaftig aufleben zu lassen. Der 7 Jährige Ich-erzähler entläd seinen Schmerz, seine Steine im Bauch, die ihn sein Leben lang begleitet haben, bei seiner Demenzkranken Mutter ab. Hat er zu lange gewartet? Zu lange alles in sich reingeschluckt? 
Das Bild einer gestörten Kinderseele, eines verhaltengestörten Mannes, abgründig, schwarz und voller Schmerz. Selbstverstümmelung, Mobbing und Tierquälerei stehen an der Tagesordnung, es gibt keine Grenzen um die Aufmerksamkeit der Mutter zu erregen.
Das ist kein Buch für Zwischendurch und sicherlich auch keine angenehme Lektüre. 
Das Ausmass an Talent des Autors erkennt man daran, dass die Hauptfigur unsympathisch ist, man ihn abstossend findet und dennoch nicht anders kann als mit dem Kind mitleid zu haben. Vielen der Handlung schwanken zwischen Nachvollziehbar und abscheulich. 
Es fällt mir schwer über das Buch zu sprechen. Das Kind in einem versteht den Erzähler, der Erwachsene die Eltern (bis zu einem gewissen Grad). Hier hätte mich die Sicht der Mutter auf die Geschehnisse interessiert. "Leider" kriegen wir nur die Sicht des Kindes. Während man noch schockiert ist, über das Verhalten der Mutter, dreht sich die Dynamik und man ist fassungslos dem Erzähler gegenüber. Könnte man oberflächlich die Mutter als Sündenbock hinstellen, darf man den Vater nicht vergessen. 


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"Es sind die verletzten Menschen, die Menschen verletzen." 









Hier gibt es definitiv kein Schwarz- Weiss. Eine Geschichte die Untergeht in den unmassen von Graustufen. Der Vater, an sich sehr sympatisch, weiss sich nicht gegen seine Frau durchzusetzen. Sein versagen spillt in der Kindheit und Prägung des Kindes eine ebenso grosse Rolle wie die bewusste Vernachlässigung der Mutter. 
Mit 9 Kinder muss der Junge seine Mutter teilen. 9 Kinder die mehr Aufmerksamkeit zuteil werde, weil deren Leben ja viel schlimmer als seines verlief. Beim 9. Kind, ein ein paar Jahre älterer Junge wird ihm klar: Robert ist der bessere Sohn, und damit kann er nicht durchkommen. 
Der Wunsch des Erzählers einfach nur geliebt zu werden scheint bis zu letzt Aussichtslos. 

Ein Buch über ein Schicksal dass man nicht mal seinem ärgsten Feind wünscht.
Wer Barrakuda von Tsiolkas mag wird auch hieran Freude haben.

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