Dienstag, 3. Februar 2015

Empfehlung zu "Alles Licht das wir nicht sehen" von Anthony Doerr



Autor: Anthony Doerr
Titel: Alles Licht, das wir nicht sehen
VerlagC.H.Beck
Preis: 19.95
Seiten:  519 Seiten


Worum es geht:
Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am „Muséum National d’Histoire Naturelle“ arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen. 
Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt … 
Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen. - Klappentext von C.H. Beck


„...Die Jungen um ihn herum kamen Werner wie berauscht vor. Als füllten sie ihre Gläser nicht mit dem kalten Wasser Schulpfortas, sondern mit einem Geist, der sie benommen machte und blendete...."

Meine Meinung:
Hier mal wieder ein Beispiel wie Ausstattung und Zusammenfassung dafür sorgen können dass tolle Bücher an einem vorbeigehen. Weder das Cover, der Titel noch die Inhaltsangabe hätte mich dazu gebracht dieses Buch zu lesen. Einzig die unaufhörlichen positiven Bewertungen anderer Blogger und Freunde brachte mich dazu. "Echt jetzt? Das Buch? Schon wieder einer?" 
Erstaunlicherweise ist der Verkauf der deutschen Übersetzung eher schleppend angelaufen. Hat das Buch in Amerika und Grossbritannien bereits Rekordverdächtige positive Reviews auf Amazon erhalten, musste es erst noch den Pulitzer Preis erhalten um auch auf Deutsch auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht liegt es am Dauerthema Nazi und Nazideutschland von dem, ich übrigens auch, viele genug haben. Doch dieses Buch, trotz Werner und wie er in Nazideutschland aufwächst, fühlt sich nach allem an, nur nicht nach "noch so einem Buch über den Zweiten Weltkrieg". Es fühlt sich an wie das Erste. Jedes (extrem kurze) Kapitel strotzt nur so vor Spannung, gibt dem Leser pointiert das Gefühl im Chaos des Krieges zu stecken. Hagelt es hier noch Mauerstücke vom Himmel, steht im nächsten Kapitel ein Dorf in Flammen und der Autor weiss die Hitze vom Papier zu übertragen. Cliffhanger nach Cliffhanger bringt einen dazu die fast 600 Seiten am Stück lesen zu wollen, schade dass man noch arbeiten muss. Aus zwei Sichten in zwei Zeitsträngen kriegen wir die Geschichte von Werner und Marie-Laure erzählt, 1940 und 1944 scheinen nicht allzu weit auseinander und doch liegt ein Leben dazwischen. Schatzjäger verfolgen Marie -Laure und den Stein den ihr Vater aus dem Museum hat, Werner lernt den Nazis nicht alles zu glauben und strickt seine eigenen Intrigen. Werners Entwicklung von dem Knaben der blind seiner Erziehung folgt, bis hin zu dem jungen Mann der beginnt seine Umwelt in Frage zu stellen ist ein Highlight der Geschichte. Marie-Laures Kapitel sind ein Paradebeispiel an Abenteuerroman.  Eine prägnante und bildliche Sprache macht es einem leicht sich sofort in dieser Welt wiederzufinden. Eine Geschichte die man mitlebt.


"Manchmal ist das Auge des Sturms der sicherste Ort."

Dass dieses Buch so gut funktioniert könnte aber auch daran liegen, dass es in der Belletristik funktioniert, wie auch im Jugendbuchregal, für die Frau, wie für den männlichen Leser. Ein Allrounder, der für jeden was zu bieten hat.
Ein Kunde meinte enthusiastisch, dass man, wenn man nur ein Buch dieses Jahr liest, es dieses hier sein soll! Dieser Kunde war ein Buchkritiker für das regionale Radio. Er hat das Buch gleich zwei anwesenden Kunden aufgedrängt. Meine Zustimmung hat er. 


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