Montag, 13. Oktober 2014

Empfehlung zu "Der Marsianer" von Andy Weir

Heyne Verlag Randomhouse
Titel: Der Marsianer
Autor: Weir, Andy
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 512 Seiten
Preis: 9.99 EUR
"I'm turning my pee into rocket fuel. It's easier than you'd think.
Urine is mostly water. Separating hydrogen and oxygen only requires a couple of electrodes and some current. The problem is collecting the hydrogen. I don't have any equipment for pulling hydrogen out of the air.
If I survive this, I'll tell people I pissed my way into orbit."
Worum es geht:
Ares 3 ist die dritte Crew die zum Mars geschickt wurde. Einen Monat sollten die 6 Astronauten bleiben, doch bereits nach einer Woche muss abgebrochen werden. Bei der Flucht vom Planeten wird Mark Watney von einer Eisenstange durchbohrt und wird für tot erklärt und zurück gelassen.
Doch Mark ist nicht tot und aufgeben kommt nicht in Frage. Der Botaniker und Ingenieur spielt McGyver und versucht sich am Leben zu halten. Mark weiss dass in 4 Jahren Ares 4 landen wird. Kann er so lange überleben?
”I tested the brackets by hitting them with rocks. This kind of sophistication is what we interplanetary scientists are known for"
Meine Meinung ( enthält kleine Spoiler ):
Der Autor kennt sich aus und lässt das den Leser spüren. Ich habe beim lesen öfters gedacht "Das ist ein typisches Männerbuch". Mark wird mir bis zum Ende nicht sympathisch aber ich glaube Männer werden ihn super finden. Nach der Beschreibung "Mann kämpft ums Überleben auf dem Mars." "Cast away meets Apollo13" und so weiter, hatte ich damit gerechnet dass halt ein wenig das Thema der Einsamkeit angesprochen wird. Der Autor lässt Mark allerdings keine Zeit sich über irgendetwas Gedanken zu machen. Ständig fliegt was in die Luft, geht schief oder es wird unnötig improvisiert. Mark sagt dazu so schön “Mars keeps trying to kill me.
Well... Mars didn't electrocute Pathfinder. So I'll amend that:
Mars and my stupidity keep trying to kill me.”
 und für den Leser irgendwann nervigerweise schafft Mark es immer wieder sich zu retten. Mich extrem gestört hat die Tatsache dass nicht etwa ein Problem auftaucht und er es entweder löst oder nicht, sondern dass er es löst, erklärt wie und dann noch 3 andere Varianten aufzählt die er auch hätte anwenden können. Nach dem 5. Problem war ich nicht mal mehr gespannt "oh ob er das schafft" weil es selbstverständlich ist. Ja ich hab verstanden dass du ein Genie bist. Highlights des Buches sind es wenn Mark versucht lustig zu sein. Das lockert die Geschichte tatsächlich auf, auch wenn ich persönlich kein Freund mit Mark geworden wäre.
Neben Marks Geschichte kriegen wir dann noch Nasa's Seite, duzende von Namen die irgendetwas diskutieren und Sachen entwerfen um Mark zu retten, nachdem sie, dank Satellitenbilder, festgestellt haben dass er noch lebt. Die Abschnitte fand ich fast noch besser als Marks.
Grosses Problem ist ausserdem die Zeit. Wir kriegen nicht mitgeteilt wann der Roman spielt. Ausserdem hatte ich trotz Tagangaben nicht das Gefühl dass Mark so lange da ist wie er behauptet. Als ich glaubte er wäre schon 3 Monate da meint er was von 18 Monaten. Kam mir nie so vor beim Lesen. Das entsteht leider wenn immer nur was explodiert und der Figur keine Zeit gelassen wird sich emotional dem Leser zu öffnen. Er ist immer gut drauf, immer optimistisch, immer am überlegen wie er sich retten kann. Das ist auch schön und gut, die ersten 100 Tage oder so. Aber wenn dir konstant alles um die Ohren fliegt und schiefgeht... ist man da
nn nicht irgendwann mal an einem Punkt an dem man aufgeben möchte? Ich hätte gerne zu einem Moment einen Mark erlebt der zusammenbricht, sich der Angst zu sterben stellt, der einfach verzweifelt an der Situation bevor er sich wieder aufrappelt und weiter macht. Ich mein, er ist der einzige Mensch auf einem ganzen Planeten! (und der will ihn auch noch umbringen... ) 
Was mich auch ein wenig störte war der Umstand dass die komplette Raumfahrtforschung alle ihre Ressourcen darauf verschwendete einen Mann vom Mars retten zu wollen. Ich dachte der Umstand würde mehr Kontroverse mit sich bringen. Hunderte Millionen Dollar für einen Mann? Einen relativ unwichtigen Mann.
Dieses Thema wird nur einmal kurz angesprochen als ein Projekt entsteht bei dem 5 weitere Leben Risiko laufen für Mark zu sterben. Und dann wird nur gesagt, dass derjenige der es mal anspricht, ein Feigling wäre. Ahja.
Klingt als würde ich das Buch recht schlecht bewerten und nicht mehr als 2 Sterne geben? Gut dass ich nichts von Sterneburteilungen halte... Denn trotz allem hat mich das Buch unterhalten. Ich hab zu keinem Moment daran gedacht es abzubrechen. Der Marsianer wird für 2015 verfilmt und glaube als Film könnte er besser sein! In den Augen meines Arbeitskollegen gar nicht möglich, der Marsianer ist für ihn das Highlight des Jahres. Liegt wohl doch am Geschlecht, meine Kritikpunkte. ;)
[NASA guy on Earth]: “What must it be like?” He pondered. “He’s stuck out there. He thinks he’s totally alone and that we all gave up on him. What kind of effect does that have on a man’s psychology?”
He turned back to Venkat. “I wonder what he’s thinking right now.”
[MARK'S JOURNAL ON MARS]: LOG ENTRY: SOL 61
How come Aquaman can control whales? They’re mammals! Makes no sense."
Positiv: 

- Humor in Krisensituationen
- Spannung
“Me: “This is obviously a clog. How about I take it apart and check the internal tubing?” NASA: (after five hours of deliberation) “No. You’ll fuck it up and die.” So I took it apart."

Negativ:
- flache Figuren
- keine Reflektion der Hauptfigur, Mark bleibt ein Name der unglaublich viel mit Klebeband anfangen kann und sich für unglaublich witzig hält.
- Durch das Tempo und kaum vorhandener emotionalen Vielfalt fehlt das natürliche Zeitgefühl.

“I admit it’s fatally dangerous,” Watney said. “But consider this: I’d get to fly around like Iron Man.” “We’ll keep working on ideas,” Lewis said. “Iron Man, Commander. Iron Man!"