Montag, 13. Oktober 2014

Empfehlung zu "Der Marsianer" von Andy Weir

Heyne Verlag Randomhouse
Titel: Der Marsianer
Autor: Weir, Andy
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 512 Seiten
Preis: 9.99 EUR
"I'm turning my pee into rocket fuel. It's easier than you'd think.
Urine is mostly water. Separating hydrogen and oxygen only requires a couple of electrodes and some current. The problem is collecting the hydrogen. I don't have any equipment for pulling hydrogen out of the air.
If I survive this, I'll tell people I pissed my way into orbit."
Worum es geht:
Ares 3 ist die dritte Crew die zum Mars geschickt wurde. Einen Monat sollten die 6 Astronauten bleiben, doch bereits nach einer Woche muss abgebrochen werden. Bei der Flucht vom Planeten wird Mark Watney von einer Eisenstange durchbohrt und wird für tot erklärt und zurück gelassen.
Doch Mark ist nicht tot und aufgeben kommt nicht in Frage. Der Botaniker und Ingenieur spielt McGyver und versucht sich am Leben zu halten. Mark weiss dass in 4 Jahren Ares 4 landen wird. Kann er so lange überleben?
”I tested the brackets by hitting them with rocks. This kind of sophistication is what we interplanetary scientists are known for"
Meine Meinung ( enthält kleine Spoiler ):
Der Autor kennt sich aus und lässt das den Leser spüren. Ich habe beim lesen öfters gedacht "Das ist ein typisches Männerbuch". Mark wird mir bis zum Ende nicht sympathisch aber ich glaube Männer werden ihn super finden. Nach der Beschreibung "Mann kämpft ums Überleben auf dem Mars." "Cast away meets Apollo13" und so weiter, hatte ich damit gerechnet dass halt ein wenig das Thema der Einsamkeit angesprochen wird. Der Autor lässt Mark allerdings keine Zeit sich über irgendetwas Gedanken zu machen. Ständig fliegt was in die Luft, geht schief oder es wird unnötig improvisiert. Mark sagt dazu so schön “Mars keeps trying to kill me.
Well... Mars didn't electrocute Pathfinder. So I'll amend that:
Mars and my stupidity keep trying to kill me.”
 und für den Leser irgendwann nervigerweise schafft Mark es immer wieder sich zu retten. Mich extrem gestört hat die Tatsache dass nicht etwa ein Problem auftaucht und er es entweder löst oder nicht, sondern dass er es löst, erklärt wie und dann noch 3 andere Varianten aufzählt die er auch hätte anwenden können. Nach dem 5. Problem war ich nicht mal mehr gespannt "oh ob er das schafft" weil es selbstverständlich ist. Ja ich hab verstanden dass du ein Genie bist. Highlights des Buches sind es wenn Mark versucht lustig zu sein. Das lockert die Geschichte tatsächlich auf, auch wenn ich persönlich kein Freund mit Mark geworden wäre.
Neben Marks Geschichte kriegen wir dann noch Nasa's Seite, duzende von Namen die irgendetwas diskutieren und Sachen entwerfen um Mark zu retten, nachdem sie, dank Satellitenbilder, festgestellt haben dass er noch lebt. Die Abschnitte fand ich fast noch besser als Marks.
Grosses Problem ist ausserdem die Zeit. Wir kriegen nicht mitgeteilt wann der Roman spielt. Ausserdem hatte ich trotz Tagangaben nicht das Gefühl dass Mark so lange da ist wie er behauptet. Als ich glaubte er wäre schon 3 Monate da meint er was von 18 Monaten. Kam mir nie so vor beim Lesen. Das entsteht leider wenn immer nur was explodiert und der Figur keine Zeit gelassen wird sich emotional dem Leser zu öffnen. Er ist immer gut drauf, immer optimistisch, immer am überlegen wie er sich retten kann. Das ist auch schön und gut, die ersten 100 Tage oder so. Aber wenn dir konstant alles um die Ohren fliegt und schiefgeht... ist man da
nn nicht irgendwann mal an einem Punkt an dem man aufgeben möchte? Ich hätte gerne zu einem Moment einen Mark erlebt der zusammenbricht, sich der Angst zu sterben stellt, der einfach verzweifelt an der Situation bevor er sich wieder aufrappelt und weiter macht. Ich mein, er ist der einzige Mensch auf einem ganzen Planeten! (und der will ihn auch noch umbringen... ) 
Was mich auch ein wenig störte war der Umstand dass die komplette Raumfahrtforschung alle ihre Ressourcen darauf verschwendete einen Mann vom Mars retten zu wollen. Ich dachte der Umstand würde mehr Kontroverse mit sich bringen. Hunderte Millionen Dollar für einen Mann? Einen relativ unwichtigen Mann.
Dieses Thema wird nur einmal kurz angesprochen als ein Projekt entsteht bei dem 5 weitere Leben Risiko laufen für Mark zu sterben. Und dann wird nur gesagt, dass derjenige der es mal anspricht, ein Feigling wäre. Ahja.
Klingt als würde ich das Buch recht schlecht bewerten und nicht mehr als 2 Sterne geben? Gut dass ich nichts von Sterneburteilungen halte... Denn trotz allem hat mich das Buch unterhalten. Ich hab zu keinem Moment daran gedacht es abzubrechen. Der Marsianer wird für 2015 verfilmt und glaube als Film könnte er besser sein! In den Augen meines Arbeitskollegen gar nicht möglich, der Marsianer ist für ihn das Highlight des Jahres. Liegt wohl doch am Geschlecht, meine Kritikpunkte. ;)
[NASA guy on Earth]: “What must it be like?” He pondered. “He’s stuck out there. He thinks he’s totally alone and that we all gave up on him. What kind of effect does that have on a man’s psychology?”
He turned back to Venkat. “I wonder what he’s thinking right now.”
[MARK'S JOURNAL ON MARS]: LOG ENTRY: SOL 61
How come Aquaman can control whales? They’re mammals! Makes no sense."
Positiv: 

- Humor in Krisensituationen
- Spannung
“Me: “This is obviously a clog. How about I take it apart and check the internal tubing?” NASA: (after five hours of deliberation) “No. You’ll fuck it up and die.” So I took it apart."

Negativ:
- flache Figuren
- keine Reflektion der Hauptfigur, Mark bleibt ein Name der unglaublich viel mit Klebeband anfangen kann und sich für unglaublich witzig hält.
- Durch das Tempo und kaum vorhandener emotionalen Vielfalt fehlt das natürliche Zeitgefühl.

“I admit it’s fatally dangerous,” Watney said. “But consider this: I’d get to fly around like Iron Man.” “We’ll keep working on ideas,” Lewis said. “Iron Man, Commander. Iron Man!"

Freitag, 1. August 2014

Empfehlung zu "Die Achse meiner Welt" von Dani Atkins

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Titel: Die Achse meiner Welt

Autor: Atkins, Dani

Verlag: Droemer Knaur

Seiten: 320 Seiten

Preis: 9.99.-


Worum es geht:
Rachel ist jung, beliebt, verliebt und wird in wenigen Wochen ihr Traumstudium beginnen. Perfekt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der ihr alles nimmt. Sie verliert den besten Freund, ihre Zuversicht und die Balance. Jahre später wird ihre Welt zum zweiten Mal auf den Kopf gestellt. Denn als sie nach einem schweren Sturz im Krankenhaus erwacht, ist ihr Leben plötzlich so, wie sie es sich immer erhofft hat. Die damalige Tragödie hat es anscheinend nie gegeben. Ihr bester Freund lebt und ist an ihrer Seite. Wie kann das sein? Und wie fühlt sich Rachel in ihrem neuen Leben – mit dem Wissen über all das, was zuvor geschah?
-Inhaltsangabe @DroemerKnaur


Meine Meinung: 

Despair by Saca
Bereits nach dem ersten Kapitel hab ich geweint. Hach, ich mag solche unerwiderten Liebesgeschichten. Jimmy, der Rachel sein ganzes Leben geliebt hat, ihr bester Freund ist und nie zum Zug kommt, und sogar für sie stirbt. Mit Rachel konnte ich jetzt weniger Anfangen, sie ist anstrengend. Die Freundschaft wird schön porträtiert und funktioniert als basis für die Liebesgeschichte. Hier stellt man sich nicht die Frage "Wo kommt so schnell die Liebe her?" Natürlich gibt es auch einige Klischeeszenen, aber die machen Spass, stören nicht. Schrecklich dass Rachel ihren Freund erst verlieren muss um sich ihrer Gefühle bewusst zu werden. Ein Umstand der zumindest bei mir zu vielen Tränen geführt hat. 

Die Autorin schafft es ebenfalls den Leser immer wieder zu überraschen. Wenn man meint, man hat herausgefunden was passiert ist, kommen neue Ereignisse ans Licht und man hinterfragt wieder alles von vorne. Ist es jetzt real oder nicht? Magie, Zeitsprung oder doch nur Amnesie?
Hier wird dann auch wieder Jimmy als perfekter Freund vorgeführt. Er glaubt Rachel, unterstützt sie und versucht zu helfen. Während alle anderen ihr einreden dass sie vielleicht doch mal zum Psychiater soll, macht sich Jimmy mit ihr auf die Suche nach der Wahrheit.
So eine Freundschaft wünscht man sich doch! Dank dieser Suche hat das Buch zeitweise ein Krimigefühl und ist beiweitem nicht "nur" eine Liebesgeschichte. 

Das freundschaftsgespann hat mir auch gut gefallen, wenn auch die anderen aus der Clique nicht allzu häufig vorkommen. Es wird klar dass die Autorin sich ein bisschen mehr Gedanken gemacht als sich nur Namen auszudenken die 1- 2 mal vorkommen. Die Dynamik hier sorgt für Drama und wusste mich zu überzeugen!
Ich habe eine weitere oberflächliche Sommerlektüre erwartet allerdings sollte man sich hier von der Premisse nicht täuschen lassen, man kann ruhig ein bisschen mehr erwarten! Für alle Fans von Jojo Moyes und Cecelia Ahern. 
Positiv:
-Ich hab mehrmals geweint, es hat mich wirklich sehr berührt.
-Das Ende / Die Auflösung
-Spannende Suche nach der Wahrheit
-interessantes Freundschaftsgespann

Dienstag, 29. Juli 2014

Empfehlung "Julia" von Anne Fortier


 

Autor: Anne Fortier
Titel: Julia
Seiten: 640 und es reicht trotzdem nicht
Preis: 9.99.-


Worum es geht:

Worum es geht: Guiliettas Tante stirbt, und somit alle Verwandten, neben ihrer Schwester, die sie noch hatte.Diese vermacht ausserdem ihrer Schwester all ihr Hab und Gut. Gilietta steht vor dem Nichts. Bis ein Brief ihrer Tante sie erreicht. Sie soll nach Sienna, die Wahrheit über die verstorbenen Eltern rausfinden. Da sie nichts mehr in Amerika hält folgt Guilietta dem Wunsch ihrer Tante und findet sich bald in Italien wieder. Ungebekannte werden zur Familie und es gibt mehr als ein Geheimnis zu lüften. Könnte es sein, dass Shakespeare sich an einer Gegebenheit ihrer Vorfahren zu Romeo und Julia inspiriert hatte?

Meine Meinung: 

Die am meisten erzählte, wiederverwendete und in Büchern erwähnte Liebesgeschichte der Welt, schon so oft durchgekaut dass man sie eigentlich nicht mehr hören und sehen will, und doch wurde Anne Fortiers ein Hit.  
Das Cover macht alles, ausser Lust dieses Buch zu kaufen. So werden viele Leser davon abgeschreckt ihr zukünftiges Liebesbuch zu entdecken. 

Kaum die erste Seite beendet wird klar, hier hat man ein Juwel gefunden. 
Mit einer kaum auszuhaltenen Spannung folgt man Guilietta nach Sienna, findet Verwandte und fragt sich wie das alles in ein Bild passt. Was ist mit den Eltern geschehen? Was hat es mit dem Tagebuch auf sich, was mit dem Motorradfahrer der sie zu verfolgen scheint? Fragen über Fragen die nicht nur den Leser gefangen nehmen, auch Guiletta muss an ihrer Herrkunft zweifeln und über die Frage bis zu welchem Maß man über sein Leben bestimmen, ob man aktiv entscheiden kann, wohin es sich bewegt. 

Das Erstlingswerk von Anne Fortier hat mich sofort in den Bann gezogen. Durch den gekonnten wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit kommt zu keinem Moment Langeweile auf. Ob Romeo und Julias "wahre" Geschichte 1340 oder Guilias Investitionen im heutigen Sienna, der Leser wird das Buch nicht aus der Hand legen können. Man könnte meinen, da man die Geschichte Romeo und Julias kennt, würde man auch hier alles wissen was von Bedeutung wäre, falsch gedacht! Bis zu den letzten Seiten ist selbst für alte Leseratten wie mich noch die ein oder andere Überraschung dabei gewesen. Die Handlung durchschauen war kaum möglich. Die Autorin weiss Atmosphäre aufzubauen, den Leser mit einzubinden, sodass man eigentlich bei jedem im Buch vorkommenden Protagonist fragt "Freund oder Feind?". 


Drei Jahre der Recherche, angezettelt durch den einen Satz ihrer Mutter, während einem Urlaub in Siena: ""Weißt du was? Ich habe herausgefunden, dass die ersten Fassungen der Romeo-und-Julia-Geschichte in Siena spielen."In diesem Moment, sagt Anne Fortier, wusste sie: Das ist es, das ist mein Buch, das ich seit meiner Kindheit schon immer schreiben wollte! Konnte die wahre Geschichte der Fehde zwischen den Tolomei und den Salimbeni Shakespeare tatsächlich Vorlage gewesen sein? Publisher Weekly schrieb: "Liest sich wie den DaVinci Code für die intelligente moderne Frau." und ja, man kann Paralellen zu Dan Browns Geschichtenaufbau erkennen, nur das Fortier für mich die bessere Schriftstellerin ist. Dies kann daran liegen dass Brown mir zu technisch ist, die Konzentration liegt klar auf den Rätseln und ich mich bei Fortier freute, dass auch die emotionale Ebene nicht zu kurz kam.

Dank dem ansprechenden Schreibstil fällt es leicht in die gegenwärtige aber auch die fiktive Welt Sienas einzutauchen. Blinzelnd kommt der Leser zu sich, sollte er bei der Lektüre gestört werden, lief man doch eben noch die Via del Paradiso entlang, roch die Früchte, hörte die Pferde. Ein Buch, dass es in sich hat und in meinen Augen viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Starke weibliche Hauptfigur, historischer Hintergrund mit interessant vermischten Fakten und ansprechender Liebesgeschichte machen dieses Buch zu einem All-Time-Favorite von mir. 
Wer nach dieser Lektüre keinen Urlaub in Sienna machen will, hat ein anderes Buch gelesen

. 



Samstag, 26. Juli 2014

Empfehlung "Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums" von Benjamin Alire Suanez

Cover der englischen Ausgabe

Autor: Benjamin Alire Saenz
Titel: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
Verlag: Thienemann Verlag
Seiten: 384
Preis: 16,99.-
"Yeah, I had all kinds of tragic reasons for feeling sorry for myself. Being fifteen didn't help. Sometimes I thought that being fifteen was the worst tragedy of all."
Worum es geht:
Ari, Kosename für Aristotles, hasst es 15 zu sein. Kein Alter könnte schlimmer sein. Seine Familie scheint etwas von ihm zu erwarten, von dem er nicht weiss was, und hat Angst sie zu enttäuschen. Mit den anderen Jugendlichen kann er nichts anfangen, er ist lieber alleine unterwegs. Aus Langeweile nimmt er sich vor, während des Sommer schwimmen zu lernen. "Soll ich dir Schwimmen beibringen?" hört er, kaum dass er im Wasser ist und findet Zugang zu Dante, der neu zugezogen, und genauso einsam ist. Die beiden werden schnell beste Freunde und versuchen gemeinsam alle Geheimnisse des Universum zu lösen.






"Another secret of the universe: Sometimes pain was like a storm that 
came out of nowhere. The clearest summer morning could end in a downpour. Could end in lightning and thunder."












Meine Meinung: 
Es ist schwer über dieses Buch zu schreiben ohne zu viel zu verraten. Lest es selber!
Über das Erwachsenwerden in den achtziger Jahren, kann uns Ari viel erzählen. Ich konnte recht gut mitfühlen wie er meinte 15 wäre ein ätzendes Alter. Man spürt den Teenager in jeder Seite. Leser in meinem Alter werden sicherlich auch den Nostalgiefaktor zu schätzen wissen, wissen wir doch wie es ist, in den Achtzigern aufzuwachsen.
Suanez beschreibt eine Freundschaft die alles übersteht, sei es Unfälle oder auch Trennungen, Streitereien und neue Freunde. Wie das echte Leben so spielt, doch Ari und Dante halten zusammen.
Lest dieses Buch. Die Charakterentwicklung ist hervorragend, der Schreibstil lädt zum Träumen ein, die Handlung ist nicht vorhersehbar.
Dies ist eines dieser Bücher, die man, egal wie alt man ist, beginnt zu lesen und dann nicht mehr hergibt, bis man es durch hat. Ich selbst habe bis morgens um 4 im Bett gesessen und war mit Ari im Truck unterwegs durch die Wüste. Ich wünschte das Buch wäre bereits Teil des Lehrplans, sodass jeder Teenager gezwungen wäre die Wörter in sich aufzunehmen. Ich wünschte dieses Buch hätte es schon zu meiner Teenagerzeit gegeben. Ich kann es nicht erwarten bis Ari und Dante den deutschen Markt erobern und ich all meinen Kunden davon vorschwärmen kann. So einfach gehalten und doch eine ganzes Universum auf 384 Seiten. Ein Musterbeispiel dafür dass Jugendbücher nicht mehr im Kinderregal versteckt werden sollten, sondern zu der Belletristik gehören. Ein 5 Sterne Buch.









Highlights:
-Ari und Dante sind mexikanischer Herkunft: Abwechslung zum amerikanischen Einheitsbrei.
-Die Eltern der beiden.
- Die Dialoge
-Das englische Cover











As Dante was watching me search the sky through the lens of a telescope, he whispered, "Someday, I'm going to discover all the secrets of the universe."That made me smile. "What are you going to do with all those secrets, Dante?""I'll know what to do with them," he said. "Maybe change the world."I believed him.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Empfehlung "Z- a novel of Zelda Fitzgerald" von Therese Anne Fowler


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Autor: Therese Anne Fowler
Titel: Z 
Verlag: St. Martin's Griffith
Seiten: 384
Worum es geht:
Die Junge Zelda hat all die Vorschriften satt. Wen interessiert schon die Länge ihres Rockes? Sie will sich ihre eigenen Regeln machen, und am liebsten gar keine. Als sie eines Abends nach einem Ballettauftritt von dem Leutnant Fitzgerald angesprochen wird, ist sie augenblicklich in seinem Bann. Zum Glück scheint es ihm nicht anders zu gehen. Während er versucht vor seinem dreißigstem Lebensjahr weltberühmt zu werden und Literaturgeschichte geschrieben haben will, versucht Zelda ihren eigenen Platz im Leben zu finden.
Über eine deutsche Ausgabe habe ich keine Informationen finden können. Wer mehr weiß, bitte melden.





But Zelda, what wouldn't you give to go back to the beginning, to be those people again, the future so fresh and promising that it seems impossible not to get it right?

Meine Meinung:
1918 trifft Scott auf Zelda. Fast hundert Jahre später, und immer noch kennt fast jeder die Liebesgeschichte von Scott und Zelda Fitzgerald.
Für alle die mehr erfahren wollen von dieser, sich gegenseitig um den Verstand bringenden, Liebesgeschichte hat nun eine weitere Möglichkeit. Mit Ausschnitten aus den Briefen und gut recherchierten Fakten bekommen wir ein berührendes Bild Zeldas und ihrer Liebe zu Scott. In einem wunderschönen Ton wird uns Zelda näher gebracht, glaubhaft und authentisch. Oftmals fällt es schwer sich daran zu erinnern, dass Zelda das Buch nicht geschrieben hat. In mehreren Büchern wird Zelda als die gestörte egoistische Partnerin dargestellt, hier wird mit ihr sympathisiert. Scott, der mehr und mehr dem Alkohol, und Hemingway, verfällt hat immer weniger Zeit, sodass Zelda sich notgedrungen eine eigene Beschäftigung sucht. Scotts Eifersucht auf Zeldas Talent, sowie die niemals endende Liebe der beiden, aber auch das Urteil, dass Liebe manchmal nicht ausreicht, wird hier thematisiert.
Beide spielen den zugedachten Part in der Öffentlichkeit, ein Schauspiel sondergleichen und nun erhaschen wir einen Blick, eine Idee, auf das was hinter verschlossenen Türen hätte sein können. Nicht nur für Fans etwas Besonderes.
Wer Mrs Hemingway von Paula McLain mochte wird Zelda lieben!
"I wish I could tell everyone who thinks we're ruined: Look closer, and you'll see something extraordinary, mystifying, something real and true. We have never been what we seemed."



Dienstag, 15. April 2014

Empfehlung zu "Golem und Dschinn" von Helene Wecker

Titel: Golem und Dschinn
Autor: Wecker, Helene
Preis: 24.99.-
Seiten: 624 Seiten

“Sometimes men want what they don't have because they don't have it. Even if everyone offered to share, they would only want the share that wasn't theirs."
Worum es geht:
New York 1911, Ein Dschinn wird aus einer Flasche befreit in der er mehr als 100 Jahre eingesperrt war. Doch Abeely ist nicht etwa sein neuer Meister. Dschinn erklärt dass Dschinis eigentlich ungebundene Feuergeister sind nur von einem grossen Magier eingefangen werden können. Unfähig seinen nun menschlichen Körper zu verlassen muss er sich unter die Menschen mischen und sein Leben als Abeely Lehrling in der Schmiede einrichten.
Doch wie lange kann ein von Natur aus freier Geist sich den menschlichen Gesellschaftszwängen unterordnen?
Auf einem Schiff nach New York wird Chava, ein Golem von ihrem Meister erweckt nur um dann mit anzusehen wie er an einer Blinddarmentzündung stirbt.
Allein und ohne Sinn in ihrem Leben trifft sie Rabbi Avram, der gleich erkennt was sie ist. Er hilft ihr sich als Mensch durchzuschmuggeln und verschafft ihr sogar Arbeit. Unter grösster Anstrengung versucht Chava ihr Leben zu meistern ohne entdeckt zu werden.
Als Ahmad der Dschinn und Chava der Golem aufeinandertreffen könne beide kaum fassen was der jeweilige Andere ist und endlich einen Leidensgenossen gefunden zu haben. Bei wöchentlichen Spaziergängen entdecken sie gemeinsam New York und besprechen das Leben unter den Menschen.




“All of us are lonely at some point or another, no matter how any people surround us. And then, we meet someone who seems to understand. She smiles, and for a moment the loneliness disappears.”







Meine Meinung:
Fantasyroman? Gesellschaftskritik? Liebesgeschichte? Alles und doch irgendwie nichts davon. Wecker zaubert eine Welt in die man flüchtet, ohne zu wissen worauf man sich einlässt. Während Golem und Dschinn die Welt entdecken bekommt man manchmal das Gefühl dass es sehr ins philosophische abrutscht. Was macht einen Menschen aus, warum glaubt man an Gott oder überhaupt an etwas, was ist der Sinn des Lebens?
Das stört aber herzlich wenig sondern verleiht dem Buch ein wenig Charm und Tiefgang. Während wir die Perspektiven von Chava und Ahmad erhalten gibt es ausserdem noch eine Handvoll Nebenfiguren die zu Wort kommen und Einblicke ins Menschsein geben. Wie ein roter Faden durchzieht ausserdem die Geschichte von Ahmads früherem Leben das Buch sodass wir mit Spannung herausfinden können wie es zu seinem Dasein als Dschinn kam.
Ein wahrhaft magisches Buch, genau wie seine Protagonisten und trotz des Umfangs kann man nicht umhin sich noch mehr zu wünschen. Mehr Golem, mehr Dschinn, mehr New York im frühen neunzehnten Jahrhundert.
“A man might desire something for a moment, while a larger part of him rejects it. You’ll need to learn to judge people by their actions, not their thoughts.”

Donnerstag, 10. April 2014

Empfehlung zu "Ab morgen ein Leben lang" von Greg Sherl


Eine Liebesgeschichte wie ein Traum


Autor: Gregory Sherl

Titel: Ab morgen ein Leben lang


Verlag: DUMONT


Seiten:  ca 400 Seiten


Preis: 9.99.-



Worum es geht:


Gibt es die große Liebe?
Evelyn Shriner und Godfrey Burkes sind füreinander bestimmt. Doch das ahnen sie nicht, sie kennen sich nicht einmal. Evelyn ist Bibliothekarin und hat eine Schwäche für große Liebesgeschichten. Außerdem hat sie eine Obsession für Dr. Chins erstaunliche Vergegenwärtigungsapparatur entwickelt, mit der man seine romantischen Aussichten mit einem bestimmten Menschen sehen kann. Sie testet einen Mann nach dem anderen, doch laut Maschine ist der Richtige einfach nicht dabei …

Godfrey arbeitet im Fundbüro, obwohl er selbst ständig Dinge verliert. Er glaubt, sein Leben brauche mehr Struktur, also macht er seiner Freundin einen Heiratsantrag. Bevor diese "Ja" sagt, hat sie allerdings eine Bedingung: Sie sollen erst bei Dr. Chin einen Blick in ihre Zukunft werfen – um sicherzugehen, dass sie auch wirklich zusammengehören. Also macht sich Godfrey auf zu Dr. Chins Praxis. In der Schlange unterhält er sich mit einer bezaubernden Frau namens Evelyn, die ihm danach partout nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Und Evelyn gibt bei ihrer nächsten Sitzung einfach mal den Namen dieses Typen aus der Schlange an, der wirkte doch ganz nett. Wie hieß er noch mal, Godfrey Burkes? Doch eines hat Evelyn nicht bedacht: »In Fällen von wahrer Liebe kann es zu Systemfehlern kommen.« 

Jedes Halbjahr schafft es ein Leseexemplar aus der Masse herauszustechen. 2014 war das im ersten Halbjahr im Dumont Verlag, ein kleines blaues Büchlein mit dem Titel "Ab morgen ein Leben lang". Die Aufmachung sowie der Klappentext versprechen Kitsch und Liebe und manchmal ist das genau was man an einem verregneten Wochenende braucht. Jedoch hat nichts darauf vorbereitet, dass dieses Buch ein Lieblingsbuch in meinem Liebesromanregal sein würde.
Greg Sherl, nominiert auf der Shortlist des Believer Poetry Awards 2013, hat bereits drei Gedichtbände herausgebracht und ist für seine sexgeschwängerte Lyrik bekannt. "Ab morgen ein Leben lang" ist sein erster Roman und hält sich bedeckt was sein Trademark angeht.


Maybe I’min love or maybe I’m not in love or maybe I’ve tasted love before and haven’t brushed my teeth in a while.
Tell me not to forget the mornings I woke
up in your hair, woke up on a hill on a mountaintop
30 degrees south of your ribs.

Who knew
I wasn’t ready to climb out of your thighs so soon?

"It’s worth knowing who’s going to whisper your name when everyone else is screaming."


Jessie Bowser
Aber genug zum Autor, konzentrieren wir uns auf Godfrey und Evelyn, Gupta und Dot, Adrian und Mardge, und überhaupt jede Figur die in diesem Roman erwähnt wird. Sei die Rolle noch so klein, Sherl weiss einen Namen mit mehreren Facetten aufblühen zu lassen. Von schrullig bis liebenswert, nervig oder geistesgestört, hier ist alles vertreten, gerne auch in einer Figur.
Dank wechselnder Evelyn und Godfrey Kapitel weiß man immer wo der jeweilige Protagonist gerade dran ist, habe als Frau aber eine nähere Bindung zu Evelyn gehabt. Vor allem Dot als beste Freundin schafft es, selbst als fiktive Figur, einen Platz im Herzen des Lesers zu erobern. Sie ist nur eines der Beispiele davon, wie Sherl es schafft, dass man dieses Buch miterlebt, es real wirkt, trotz seiner Skurrilität Könnte daran liegen, dass er schreibt was er kennt. Ich glaube ihm, dass er Menschen um sich hat die sind wie Dottie Dot Dot, Evelyn und sicherlich einen Gupta.
"Ab morgen ein Leben lang" spielt mit dem Thema der Zeitverschwendung; ist jede Beziehung, die nicht mit dem einzig Wahren geführt wird, nur Zeitverschwendung? Gibt es die einzig wahre Liebe überhaupt?


Du machst mit mir Schluss, weil ich kein erfolgreicher Gitarrist bin und aussehe wie ein Typ, der bloß an der Strassenecke Flyer verteilt! Du bist angewidert!" Deshalb ist Adrian angewidert von Adrian, und es hat nichts mit mir zu tun. Sehr wenig in unserer Beziehung hat etwas mit mir zu tun, und das ist einer der wahren Gründe, weshalb ich mich von ihm trenne.


Julia Ceasar
Godfrey und Evelyn finden heraus dass sie füreinander bestimmt sind, aber was tun wenn man sich doch eigentlich gar nicht kennt?
Sherl bezieht Alltagsbeobachtungen mit ein, welches das Buch zu einem Zeitzeugen macht, obwohl es in der Zukunft spielt. Beinahe alle Gesellschaftskritiken sind auf den Punkt und brachte mich zum Schmunzeln. Sherl will mehr erzählen als nur eine Liebesgeschichte. Der Leser findet hier ein Zuhause und Menschen die ihn verstehen und aufnehmen.
Viele Situationen sind einem (oder waren zumindest mir) vertraut, ein weiterer Grund weshalb das Buch einen so erschreckend Nahe geht. Mardge, die in ihre Vorstellung von Godfrey verliebt ist, statt in Godfrey und ist pausenlos zugange ihn Ändern zu wollen. Godfrey, unzufrieden mit sich selber, auch dank Mardge, versucht sein Bestes so zu sein wie sie es sich wünscht und ist schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Was hab ich ihn geliebt, versuchte er ständig mehr zu sein, alles für sie zu sein, nur um letztendlich festzustellen, dass er mehr als genug ist wenn er den richtigen Partner hat. Hier wird uns eine Tragikomödie vom feinsten geboten.
Humor macht einen Großteil des Romans aus, sei er trocken und manchmal ordentlich sarkastisch, und Sherl bringt die Pointe immer auf den Punkt.


"Es ist mehr so, dass jeder, in den man sich verliebt, der Richtige für einen sein kann, nur nicht unbedingt in diesem Moment. So, wie du jetzt perfekt für mich in zehn Jahren sein könntest, aber weil wir uns nicht synchronisieren können, kann es einfach nicht klappen."


Greg Sherls Schreibstil ist sicherlich nicht für jeden etwas, das Buch wurde teilweise als zu schwafelig beschrieben, zu viele Details die keinen Einfluss auf die Handlung haben. Für mich war es erfrischend viele meiner eigenen Gedanken zu verschiedenen Themen gedruckt zu sehen. Hier fühlte ich mich verstanden, als wäre der Liebesroman für mich geschrieben zu sein. Eines der wenigen Bücher die nicht genug Seiten hatten.
Egal ob Poesie oder Roman, ich werde das nächste Buch schon vorbestellen!

Mayur Gala